Jahresgehalt ARD-Chefin Strobl: 285.000 Euro


© ARD/Laurence Chaperon


Jahrelang war das Jahresgehalt des ARD-Programmdirektors ein großes Geheimnis. Volker Herres, bis Ende April 2021 im Amt, hatte sich immer wie eine verschlossene Auster verhalten. Da half es auch nicht, wenn auf fast jeder ARD-Pressekonferenz insbesondere ein Journalist ständig an- und nachfragte. So auch am 21. Mai 2021. Als Erste in der Funktion der Programmdirektorin macht Christine Strobl ihr Jahresgehalt nun öffentlich: 285.000 Euro (nur Grundgehalt). Hinzu kommen noch Sondervergütungen. Diese Information hat die ARD auf ihrer Webseite (ARD.de/über uns) am 5. Juli veröffentlicht.

Ob Frau Strobl nun mehr verdient als zuvor Herr Herres, wird die ARD wohl nie mitteilen. Mit ihrem Jahresgehalt liegt ARD-Programmdirektorin Christine Strobl damit vor den Intendantinnen Wille (MDR), Gerner (Radio Bremen) und Schlesinger (RBB) sowie Intendant Kleist (SR). Zum Vergleich die ZDF-Jahresgehälter (inkl. Sondervergütungen): Intendant Thomas Bellut 410.092 Euro und Programmdirektor Norbert Himmler (ab 15. März 2022 ZDF-Intendant) 272.680 Euro.

Anmerkung: Katja Wildermuth ist seit 1.2.2021 BR-Intendantin und seit 1.5.2021 ist Martin Grasmück Intendant des Saarländischen Rundfunks. In der Tabelle sind teilweise nur Grundvergütungen angegeben.


Die ARD-Programmdirektion ist für die ARD-Gemeinschaftsprogramme, vorrangig „Das Erste“ und die ARD-Mediathek, zuständig. Sie entwickelt die Programmstrategie, plant und koordiniert das lineare sowie das non-linearen Angebot. An ihrer Spitze steht die ARD-Programmdirektorin Christine Strobl (Heimat-Anstalt ist der SWR). Ihre Stellvertreter sind der Channel-Manager der ARD-Mediathek, Florian Hager (vom SWR), und der ARD-Chefredakteur Oliver Köhr (vom MDR). Die ARD-Programmdirektorin ist zugleich Vorsitzende der ständigen Videoprogrammkonferenz (VPK). Unter ihrem Vorsitz koordinieren die Intendantinnen und Intendanten, bzw. die Programmdirektorinnen und -direktoren der Landesrundfunkanstalten die Gemeinschaftsprogramme „Das Erste“ und die ARD-Mediathek. Rechtsgrundlage für die Arbeit der Programmdirektion ist der ARD-Staatsvertrag bzw. der ARD-Fernseh- und Videovertrag der Landesrundfunkanstalten in der Fassung von 2020.


Der ARD-Programmdirektorin zur Seite stehen hauptamtliche Koordinatorinnen und Koordinatoren für die Bereiche Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Auslandsfragen und Sport sowie nebenamtliche für Fiktion, Unterhaltung, Kinder und Familie, junge Angebote, Wissen, Kultur, Musik und Religion, Vorabend, Degeto und Filmförderung, Digitales, Fernsehproduktion sowie für die ARD-Zulieferungen zu ARTE. Für das Vorabendprogramm sowie die Serien im Hauptabendprogramm gibt es den zuständigen Koordinatoren unterstehende Gemeinschaftsredaktionen. Beraten werden die Programmdirektorin bzw. die ständige Videokonferenz vom Programmbeirat, in dem neun Vertreterinnen und Vertreter der Gremien (Rundfunkräte) der neun Landesrundfunkanstalten sitzen.


Die durchschnittliche Höhe der Monatsgehälter 2020 der Direktorinnen und Direktoren der Landesrundfunkanstalten der ARD (Grundvergütung) lagen zwischen 14.912 Euro (SR) und 20.347 Euro (BR). Zur Spitzengruppe zählen hier auch WDR (20.041 Euro), NDR (19.989) und SWR (19.000 Euro).


Eine Spanne von 10.457 Euro (SR) bis 14.151 Euro (NDR) gibt es bei den Bezügen der Gruppe der Programmbereichsleiterinnen und Programmbereichsleitern sowie Hauptabteilungsleiterinnen und Hauptabteilungsleitern. Beim Monatsgehalt von Redakteurinnen und Redakteuren nennt die ARD 3.837 Euro bis 10.856 Euro (Vorjahr: 3.681 Euro bis zu 10.728 Euro). Bei Programmvolontären liegt die monatliche Höhe zwischen 1.634 Euro und 2.324 Euro.


Die Diskussion über die Höhe der Jahresgehälter der Verantwortlichen bei ARD und ZDF ist in Deutschland eine eingespielte Debatte. Kritiker sind der Meinung das die Summen viel zu hoch seien – die Gehälter sollten reduziert werden, auf z.B. 200.000 Euro. So betragen die Jahresgehälter der Präsidenten von Bundesämtern rund 200.000 Euro. Das Jahresgehalt der Bundeskanzlerin beträgt 410.000 Euro und das des Bundespräsidenten 292.000 Euro (jeweils inkl. Aufwandsentschädigung). Gerade in Corona-Zeiten haben viele Arbeitnehmer, Freiberufler und Unternehmer finanzielle Einbußen zu verkraften – einige haben sogar ihre wirtschaftliche Existenz verloren. Es ist Aufgabe der Politiker (und Landesregierungen) und der Tarifparteien diese Debatte öffentlich zu führen. Die Intendantinnen und Intendanten dürfen aber mit gutem Beispiel vorangehen. In einem der 19 Fernseh- und 78 Radio-Programme von ARD und ZDF wird sich mit Sicherheit ein passender Sendeplatz finden lassen - zumal die ARD seit Mai 2021 den (intensiven) Dialog mit Bürgern und Beitragszahlern sucht.


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