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ARD & ZDF streichen (nur) 3 Programme

  • Hans-Jürgen Kupka
  • vor 17 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

Worauf Politik und Bürger seit Jahren warten, nun haben sich ARD und ZDF in den vergangenen Wochen darüber verständigt, welche linearen Spartensendern eingestellt werden sollen. Sie setzen den Reformstaatsvertrag um und arbeiten in Zukunft noch enger zusammen – mit einer klaren Ausrichtung an den jüngeren Zielgruppen, so die Presse-Meldungen von ARD und ZDF. Zum 1. Januar 2027 werden drei neue gemeinsame Angebote mit klarem Profil geschaffen. Dafür werden drei lineare Kanäle Ende Dezember 2026 eingestellt: „tagesschau24“/T24, „One“ und ARD-Alpha werden abgeschaltet. Phoenix, das bislang als Ereignis- und Parlamentskanal firmiert, wird das gemeinsame Informationsangebot der ör Sendeanstalten, mit Zulieferungen von „ARD aktuell“ und „ZDFheute“ Die Dokus und Reportagen wandern ins „info“-Programm. Die ZDF-Angebote „neo“ und „info“ werden um ARD-Angebote erweitert und gemeinsam verantwortet. Wie bisher zeigt „neo“ ein Programm für junge Erwachsene und „info“ soll sich künftig zum Dokumentationskanal der ör Anstalten entwickeln. Damit verringert sich die Anzahl der ör Programme von 19 auf 16, im internationalen Vergleich immer noch sehr viel.


ARD-Vorsitzender und hr-Intendant Florian Hager: "Zusammen werden wir noch besser. Das haben wir oft bewiesen, und so haben wir auch hier gearbeitet. Erfolgreiche digitale Angebote wie funk oder auch KiKA zeigen, was ARD und ZDF schaffen können, wenn sie vor allem im Digitalen spezifische Zielgruppen gemeinsam ansprechen. Das stärkt das öffentlich-rechtliche Angebot nachhaltig." ZDF Intendant Dr. Norbert Himmler: "Da kommt das Beste aus beiden Welten zusammen, auch wenn das für ZDF und ARD keine leichte Arbeit war. Sie ist aber in einer sehr konstruktiven und zukunftsorientierten Atmosphäre erfolgt. Wir haben uns dabei an den Interessen der Zielgruppen orientiert und die Angebote ausgewählt, zu denen wir als starke Partner gemeinsam das bestmögliche Programm zusammenstellen können."


Alexander Schweitzer (SPD), Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder und Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, bezeichnete die Pläne der Sender als „ehrliche Konsolidierung“. Die Umsetzung des Reformstaatsvertrags trage den Zielen der Länder Rechnung, dass es nicht dauerhaft nur ein Mehr geben könne, sagte er. „Damit der ÖRR den Medienwandel bestehen kann, muss er sich verändern. Die Bündelung gemeinsamer Angebote von ARD und ZDF ist ein folgerichtiger Schritt, um den ÖRR in einer digitalen Medienwelt zukunftsfest aufzustellen. Wenn Doppelstrukturen reduziert und Kräfte gebündelt werden, profitieren davon auch die Beitragszahler“, sagte der NRW-Medienminister und Chef der Staatskanzlei, Nathanael Liminski (CDU) auf Anfrage der F.A.Z. (4.3.2026).


„Besonders der Ausbau von Phoenix zu einem starken gemeinsamen Informationsangebot“ sei „eine gute Nachricht für mehr Profil, mehr Klarheit, mehr Relevanz. Gerade in Zeiten, in denen verlässliche Informationen unverzichtbar sind, braucht es einen Ort im öffentlich-rechtlichen System, an dem politische Debatten, Hintergründe und Einordnung besonders sichtbar und verständlich werden. Dass ARD und ZDF hier gemeinsam Verantwortung übernehmen, ist ein gutes Signal. In gleicher Weise sollten die Sender nun auch andere Teile des Reformstaatsvertrags schon vor der Frist umsetzen.“


Das Gesamtportfolio der gemeinsam veranstalteten Angebote ab Januar 2027 besteht damit neben dem deutsch-französischen Kulturkanal arte aus den Angeboten 3sat (Federführung ZDF), KiKA (Federführung ARD/MDR), funk (Federführung ARD/SWR), info – der Dokumentationskanal von ARD und ZDF (Federführung ZDF), neo von ARD und ZDF (Federführung ZDF) und phoenix von ARD und ZDF (Federführung ARD/WDR). Für die bisher nur von der ARD betriebenen Kanäle gilt: Das Vorhaben steht, soweit erforderlich, unter Vorbehalt der Gremienzustimmung.


Wie hoch die Kosteneinsparungen sein werden, konnten ARD und ZDF noch nicht sagen. Ein Blick in den 25. Bericht der KEF ist ernüchternd. Laut Plan 2025 sehen die Etats wie folgt aus: T24 11 Mio €, One 10,4 Mio € und Alpha 9,1 Mio €. Insgesamt 30,5 Mio €. Bei einem ör Gesamtvolumen von über 10 Mrd € pro Jahr, sind diese Einsparungen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Etats (Plan 2025) belaufen sich für ZDFinfo auf 35,1 Mio € und für ZDFneo auf 76,9 Mio €. Für die vier Partnerprogramme sehen die Etats (Plan 2025) wie folgt aus: 3sat 71,8 Mio €, Phoenix 42,1 Mio €, KiKA 93,8 Mio € und funk 45,7 Mio €. Hätte die Politik deutlichere Vorgaben gemacht, könnten wohl mehr als nur 30 Mio € eingespart werden.


Wie gering das Interesse der Bürger an diesen ör Spezial-Programmen ist, zeigen die Marktanteile für 2025 (Zuschauer insgesamt) sehr deutlich:

ZDFneo 3%, One 1,2%, ZDFinfo 1,8% Arte 1,4%, Phoenix 1%, 3sat 1,5%, T24 0,5% und Alpha 0,2%. Bei KiKA sind es bei den 3-13-Jähr. 16,5%. Zum Vergleich, die ARD DAS ERSTE erreichte 12,7% und das ZDF 14,9%.


Es stellt sich immer öfters die Frage, warum der ÖRR und die Politik (die 16 Landes-Regierungen) keine Rundfunkreform (oder Umbau) realisieren wollen? Die seit Jahren durchgeführten Reförmchen sind kein Beitrag, um den ÖRR in sicheres Fahrwasser zu geleiten. Ein Blick in das Ausland zeigt deutlich, wie Intendanten und Politiker den aufgeblähten Rundfunk umbauen müssten, um ihn für das digitale Zeitalter zukunftsfest zu machen. Zumal die ör Programme ein hohes Durchschnittsalter aufweisen und drei von vier Bürgern eine Gebührenerhöhung konsequent ablehnen. Der ÖRR kann mehr, er braucht nur bessere Rahmenbedingungen. Gute Vorschläge liegen auf den Tischen und warten auf eine Realisierung.


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