WDR-Studie: Glaubwürdigkeit der Medien 2020

Die Qualität des Informationsangebots der Medien in Deutschland wird weiterhin gut bewertet.

NORDDEUTSCHER RUNDFUNK

Pinar Atalay © NDR/Thorsten Jander


Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Infratest dimap im Auftrag des WDR. Seit 2015 untersucht Infratest dimap welche Glaubwürdigkeit die Deutschen den Medien bescheinigen. Dem Informationsangebot der Medien wird von einer großen Mehrheit im Land hohe oder sehr hohe Qualität attestiert (90 Prozent,+/-0 im Vergleich zu November 2019). Von der Glaubwürdigkeit der Medien insgesamt sind sogar etwas mehr Bürgerinnen und Bürger (67 Prozent,+6) überzeugt als noch im vergangenen Jahr – 2015 waren es sogar nur 52 Prozent. Im Gegenzug sinkt die Zahl der Deutschen, die glauben das es politische Vorgaben für die Berichterstattung der Medien gibt auf 35 Prozent. 2015 und 2016 waren es noch 42 Prozent. In Sachen Glaubwürdigkeit gibt es aber deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Mediengattungen. Die größte Glaubwürdigkeit wird der Studie zufolge dem öffentlich-rechtlichen Radio bescheinigt (81 Prozent / +3), dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit 79 Prozent (+5) und Tageszeitungen rangieren mit 74 Prozent nur knapp dahinter (-2). Mehrheitlich als glaubwürdig eingeschätzt werden auch die Internetangebote öffentlich-rechtlicher Sender (63 Prozent / +4) sowie die Internetangebote von Zeitungen und Zeitschriften (45 Prozent / -1). Die privaten Radiosender folgen mit 44 Prozent (+/-0) und die privaten Fernsehsender mit 29 Prozent (+3). Als „weniger glaubwürdig“ wird die Boulevardpresse mit nur 6 Prozent (-1) bewertet. Auch die Informationen in sozialen Netzwerken schätzen die Deutschen größtenteils als wenig glaubwürdig ein, wobei es zwischen den einzelnen Plattformen aber Unterschiede gibt: Während Youtube noch von 18 Prozent (-1) der Befragten als glaubwürdig beurteilt wird, kommen Twitter (-1) und Facebook (+/-0) auf jeweils 7 Prozent und Instagram auf nur 5 Prozent (-1).


Die Zahlen stehen in diesem Jahr besonders unter dem Eindruck der alles dominierenden Corona-Berichterstattung. Der Studie zufolge beurteilen 82 Prozent der Befragten die Corona-Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen als gut oder sehr gut, 74 Prozent die im öffentlich-rechtlichen Radio. Auch die Berichterstattung von Tageszeitungen (68 Prozent) und in den Internetangeboten der öffentlich-rechtlichen Sender (56 Prozent) schneidet überwiegend positiv ab. Das private Fernsehen schneidet mit 38 Prozent ebenso unterdurchschnittlich ab wie das private Radio mit 37 Prozent. Und die Internetangebote privater Anbieter liegen bei nur 24 Prozent – die Boulevardpresse liegt abgeschlagen bei 11 Prozent. Youtube kommt hier auf 12 Prozent, Facebook auf 11 und abgeschlagen sind Twitter und Instagram mit jeweils nur 4 Prozent.


In Corona-Zeiten ist das Vertrauen in politische/gesellschaftliche Institutionen teilweise massiv gestiegen ist: so geben nun 61 Prozent an, Vertrauen in die Bundesregierung zu haben (+ 24 Prozentpunkte) und 57 Prozent in den Bundestag (+15). An der Spitze liegen Polizei mit 84 (+1), Bundesverfassungsgericht mit 80 (+7), Verbraucherzentrale mit 79 (+ 4), Stiftung Warentest mit 79 (+7) und der ör Rundfunk mit 70 Prozent (+3). Die Tageszeitungen rangieren bei 58 (+ 4), die Wirtschaft mit 49 (+ 6), Gewerkschaften mit 47 (- 6) und die Kirchen bei 24 Prozent (-5). Die privaten Rundfunksender liegen auf dem letzten (12.) Platz mit nur 19 Prozent (-2). 77 Prozent haben wenig bzw. gar kein Vertrauen in diese Institution.


WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn zeigt sich mit den Zahlen, was kaum überraschend ist, zufrieden und sieht sie als „großes Kompliment an die Arbeit der Journalistinnen und Journalisten in diesem Jahr“. Schönenborn weiter: „Natürlich bin ich stolz, dass die öffentlich-rechtlichen Angebote dabei so herausragen. Aber es ist aus meiner Sicht insgesamt ein gutes Zeugnis für den Zustand unserer Gesellschaft, dass im Jahr der Pandemie das Vertrauen in die Medien, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aber auch in die politischen Institutionen insgesamt so gestiegen ist. Die Kritiker der Corona-Maßnahmen machen sich zwar laut bemerkbar, sind aber doch nur – wie die Studie erneut zeigt – eine Minderheit.“

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