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Marietta Slomka: „Ich, stutenbissig? So ein Quatsch!“

heute-journal – Foto ZDF.de

Moderatorin vom „Heute Journal“ wehrt sich gegen Kritik an ihrer Interview-Führung

Die ZDF-Frontfrau Marietta Slomka vom „Heute Journal“ – alle drei Wochen an sieben Tagen auf dem Bildschirm – wehrt sich gegen heftige Kritik an ihrer Interview-Führung. „Ich frage hartnäckig nach, wenn ich das Gefühl habe, dass jemand ausweicht“. Das tue sie unabhängig vom Geschlecht des Gesprächspartners. Und so hat jeder Zuschauer seine eigene Meinung zur Person Slomka. Entweder man ist ein Fan ihres kritischen Nachfragens, mit zum Teil brachialen Unterbrechungsmethoden oder man ist der Meinung, sie versucht sich selbst zu profilieren, indem sie Politiker vorführt. Wer kennt nicht das legendäre Interview mit Sigmar Gabriel oder auch harte Befragungen mit Markus Söder, Christian Lindner, Alexander Dobrindt oder Dorothee Bär, aus der jüngsten Vergangenheit.Im „stern“ hat sich die ZDF-Moderatorin jetzt gegen Kritik an ihrer Gesprächsführung gewehrt und sich gegen ihr Image als Politikerschreck verteidigt. „Ich frage hartnäckig nach, wenn ich das Gefühl habe, dass jemand ausweicht. Aber mir weibliche Zickigkeit zu unterstellen, wenn ich das bei einer Frau mache, ist im Jahr 2018 nur noch ermüdend“, sagte sie. Es sei „Quatsch“, dass sie Frauen angeblich härter als Männer befrage und dass sie „stutenbissig“ sei. „Mich interessiert nicht, ob ich einen Mann oder eine Frau vor mir habe.“

Marietta Slomka (48) moderiert das ZDF-Nachrichten-Magazin seit 17 Jahren. Nach ihrem legendären Interview mit dem damaligen SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel im November 2013 („Lassen Sie uns den Quatsch beenden“) beschwerte sich sogar Horst Seehofer beim ZDF über sie. Dass es ihr Interviewstil zu einem eigenen Verb gebracht hat – Politiker würden von ihr „geslomkat“ – hat sie überrascht: „Dass eine journalistische Fragetechnik mit meinem Namen verbunden wird, hätte ich mir, als ich den Job begann, auch nicht träumen lassen.“

Das Finanzierungsmodell des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Europa durch Gebühren wird in diesen Wochen besonders engagiert diskutiert. So stimmten die Schweizer Anfang März mit überraschend deutlicher Mehrheit gegen die Abschaffung der Rundfunkgebühren (aber für Reformen), während sich die dänische Regierung in der vergangenen Woche für ein durch Steuern finanziertes Modell entschied. Slomka verteidigt die Rundfunkgebühren und weist die Kritik an ARD und ZDF zurück: „Mich schmerzt es, wenn Journalismus generell verachtet wird und es heißt: „Wozu brauche ich die überhaupt? Meine Informationen hole ich mir aus dem Netz.“

Die Fülle öffentlich-rechtlicher Informationssendungen könnten private Sender ihrer Meinung nach nicht bieten. Die Idee, ARD und ZDF statt durch Rundfunkgebühren über Steuermittel zu finanzieren, überzeugt sie nicht: „Dann müsste der Intendant des ZDF mit der jeweiligen Regierung verhandeln, wie viel Geld wir bekommen. Das wäre das Ende der Unabhängigkeit.“ Allerdings gibt es da noch die „Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs von ARD und ZDF“ (KEF), in der 16 Rechnungsprüfer aus den deutschen Ländern die Finanzen der Sendeanstalten unter die Lupe nehmen. Und im Übrigen: Politiker aller Parteien sitzen seit Jahren in den Aufsichtsgremien aller öffentlicher Sendeanstalten und bestimmen auch indirekt die Personalpolitik von ARD und ZDF.

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