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Junge Generation reduziert Fernseh-Konsum auf 33 Prozent

Foto Neue ARD-Forum.de

Im Durchschnitt verbringen die Deutschen täglich sieben Stunden mit medialen Video-, Audio- und Textinhalten. Bei den Unter-30-Jährigen ist es eine gute Stunde weniger. In dieser Altersgruppe wird der Trend zur non-linearen Nutzung deutlich. In der Gesamtbevölkerung dominiert bei der Bewegtbildnutzung das lineare (Live-) Fernsehen mit einem Anteil von 76 Prozent, während das Radio mit 79 Prozent den Löwenanteil der Audionutzung ausmacht. Zu diesen zentralen Ergebnissen kommt die Studie ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019, die im dritten Jahr in Folge im Rahmen der Studienreihe „Medien und ihr Publikum“ (MiP) im Auftrag der ARD/ZDF-Forschungskommission durchgeführt wurde.

Betrachtet man die für Medien aufgewendete Zeit, verbringt die Bevölkerung täglich sieben Stunden mit Medieninhalten (420 Min.). Gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 19 Minuten. Nur rund eine Stunde entfällt auf das Lesen von Texten, wobei sich auch die Textnutzung zunehmend ins Netz verlagert. Die meiste Zeit entfällt auf das Ansehen von Videos (202 Min.) und die Audionutzung (186 Min.). In der Gesamtbevölkerung dominieren nach Nutzungsdauer die lineare Fernsehnutzung mit 76 Prozent sowie die lineare Radionutzung mit 79 Prozent. Bei den 14- bis 29-Jährigen ist eine deutlich andere Nutzung zu beobachten. Ihre für Medien aufgewendete Zeit ist mit 5:57 Stunden (357 Min.) geringer als die der Gesamtbevölkerung. In der Gesamtbevölkerung entfällt mit mehr als drei Vierteln (76 %) der Löwenanteil der Bewegtbildnutzungsdauer auf die Nutzung von linearem Fernsehen. Mit deutlichem Abstand dahinter folgen Streamingdienste, auf die rund 10 Prozent der Nutzung entfallen. Videoplattformen haben einen Anteil von 5 Prozent, Mediatheken und SocialMedia-Plattformen jeweils 3 Prozent. Die Verteilung der Nutzungsdauern bei den unter 30-Jährigen unterscheidet sich von der Gesamtbevölkerung sehr deutlich: Hier spielt zwar das lineare Fernsehen mit einem Anteil von 33 Prozent der Bewegtbildnutzung immer noch eine Rolle, der größte Teil der Zeit insgesamt entfällt aber auf nicht-lineare Nutzungsformen, insbesondere auf die Rezeption von Inhalten der Streaminganbieter: Dort verbringen die 14- bis 29-Jährigen genauso viel Zeit wie mit linearem Fernsehen (33 %). Hinzu kommen Videoplattformen und Mediatheken, die zusammen ein weiteres Viertel der Nutzungsdauer (25 %) ausmachen.

Interessant ist hier der Blick auf die jeweiligen Anteile von linearer und nicht-linearer Bewegtbildnutzung in den verschiedenen Altersgruppen, die den Zusammenhang zwischen Alter und Nutzungsverteilung belegen: Je jünger die Menschen sind, desto höher ist der Anteil der Zeit, die sie mit Abrufinhalten verbringen. Bei den ab 70-Jährigen beträgt der nicht-lineare Anteil gerade einmal 8 Prozent, bei den 50- bis 69-Jährigen ist er mit 11 Prozent nicht wesentlich höher. Bei den 30- bis 49-Jährigen entfällt bereits ein Viertel der Zeit, die mit Bewegtbildnutzung verbracht wird, auf On-demand-Angebote – bei den 14- bis 29-Jährigen sogar mehr als zwei Drittel (67 %).

Betrachtet man, wie groß die Anteile in der Bevölkerung sind, die verschiedene Medien nutzen, ergibt sich folgendes Bild: An einem Tag werden durchschnittlich 87 Prozent der Bevölkerung von Videoangeboten erreicht. Dabei erzielt das lineare Fernsehen mit 67 Prozent trotz leichter Verluste nach wie vor die höchsten Tagesreichweiten. Ähnlich sieht es bei Audio aus: An einem Tag haben durchschnittlich 81 Prozent der Bevölkerung ein Audioangebot gehört, wobei mit 71 Prozent die meisten Menschen mit klassischem Radio erreicht werden. Analog zur Nutzungsdauer zeigt sich auch nach Reichweiten bei Unter-30-Jährigen der Trend zur zeitsouveränen Nutzung von Video und Audio: Streamingdienste, Videoplattformen und Mediatheken haben dabei die klassischen Verbreitungswege eingeholt. Konkurrenz erwächst den Fernsehsendern dabei zunehmend durch Streamingdienste wie Netflix und Amazon, die ähnliche Nutzungsmuster wie das Fernsehen aufweisen.

Bei den Radiosendern sind es vor allem Streamingdienste wie Spotify, die im Musikbereich konkurrieren. Bei den jüngeren Hörern unter 30 Jahren liegen das tägliche Radiohören und das Hören non-linearer Musik auf gleichem Tagesniveau (Radio: 52 Prozent, Musik: 53 Prozent). Dabei werden bei jungen Hörern Streamingdienste wie Spotify mit 30 Prozent Tagesreichweite immer populärer. Musik über CDs und andere Tonträger (20 Prozent) wurde inzwischen von diesen Angeboten überholt. Mit 6 Prozent ist auch die Tagesreichweite von Podcasts und zeitversetztem Radio bei den Jüngeren doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.

Die lineare Fernsehnutzung findet nach wie vor hauptsächlich auf dem Fernsehgerät statt, was auch in hohem Maße für die Nutzung von Streamingdiensten gilt. Diese werden zwar auch über Smartphones, Tablets und Laptops genutzt, längst aber nicht so stark, wie dies bei YouTube der Fall ist – allen voran in der jüngeren Zielgruppe. Insbesondere für die Fernsehsender ist es daher notwendig, mit ihren Mediatheken alle Geräte abzudecken, insbesondere aber den Zugang auf Fernsehgeräten zu erleichtern und gleichzeitig ihr non-lineares Sendungsportfolio weiter auszubauen.

Die Ergebnisse der ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019 verdeutlichen die Entwicklung zur zeitlich und örtlich ungebundenen Mediennutzung. Die Tatsache, dass mehr als zwei Drittel der unter 30-Jährigen angeben, wöchentlich Mediatheken von Fernsehsendern zu nutzen, jeder dritte von ihnen gibt an, zeitversetzt Radio und Podcasts zu hören, unterstreicht dies umso mehr. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben diesen Trend aufgegriffen und entwickeln ihre Mediatheken (bzw. Audiotheken) unterdessen weiter, indem sie den Anwendern individuellen Zugang und ein auf sie zugeschnittenes Angebot ermöglichen. Für die Zielgruppe der unter 30-Jährigen bieten die öffentlich-rechtlichen Sender indes einen Zugang zu ihren Inhalten unter dem Label „Funk“ an.

Für die Verlage sieht die Lage eher negativ aus. Die Nutzung von Textinhalten liegt sowohl im Gesamtpublikum als auch bei den 14- bis 29-Jährigen unter dem Vorjahr: Mit 54 bzw. 63 Minuten (Junge Generation) gegenüber 64 bzw. 72 (Junge Generation) im Jahr 2018. Verluste gibt es dabei nicht nur für gedruckte Zeitungen und Zeitschriften, sondern auch für Online-Text. Dramatisch: Bei den 14- bis 29-Jährigen liegt der Konsum von gedruckten Zeitungen und Zeitschriften nur noch bei zwei Minuten pro Tag – beim Gesamtpublikum sind es 15 Minuten. Aber die gedruckten Bücher kommen in dieser Altersgruppe auf stabile 12 Minuten (auch beim Gesamtpublikum), während E-Books hier sogar von zwei auf eine Minute schrumpften. Auch beim Gesamtpublikum sind es hier nur zwei Minuten.

Quelle ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019

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