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Der ARD-Regionalfunk im europäischen Vergleich – Analyse und Reform-Konzept von Hans-Jürgen Kupka

SWR-Studio Freiburg – Foto SWR.de/Jürgen Pollak

Deutschland ist ein Bundesstaat mit 16 Bundesländern und auch die öffentlich-rechtliche Rundfunkversorgung (Hörfunk und Fernsehen) ist föderal organisiert. Die neun Landesrundfunkanstalten (im ARD-Verbund), darunter vier Mehrländeranstalten (NDR, MDR, SWR, RBB), strahlen aktuell 75 Hörfunk-Programme aus (plus drei bundesweite Programme vom Deutschlandradio in Berlin/Köln), aber nur in vier Bundesländern (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Brandenburg und Bayern) werden regionale Magazin-Sendungen (ab 55 Minuten) ausgestrahlt. Weitere vier Länder (Saarland, Berlin, Hamburg und Bremen) gelten aufgrund ihrer geringen Größe zugleich als regionales Sendegebiet. In acht Bundesländern besteht der Regionalfunk dagegen nur aus Nachrichten von einer bis vier Minuten bzw. kompakten Informationen von vier bis zehn Minuten. 

Dabei besitzt das Radio auch hierzulande als Tagesbegleiter für regionale Informationen eine zentrale Rolle. „Besonders die öffentlich-rechtlichen Radioprogramme werden dafür offenbar geschätzt: 49 Prozent schreiben die regionale Informationsleistung eher den öffentlich-rechtlichen Programmen zu als den privaten mit 26 Prozent“ und „regionale Medieninhalte erfüllen neben dem Bedürfnis nach Information über Geschehnisse, Zerstreuung und Erholung vom Alltag auch unterschiedliche soziale und gesellschaftspolitische Funktionen. Sie haben Orientierungs- und Kontrollfunktion, indem sie Ereignisse und Zusammenhänge darstellen, Missstände aufklären, verschiedene Interessengruppen zu Wort kommen lassen und „Sprachrohr“ der Bevölkerung sind. Gleichzeitig bieten sie den … Nutzern eine Artikulationsfunktion, … sie dienen der Teilhabe am täglichen Leben, liefern Alltagsinformationen und schaffen soziale Identifikation“ (Uli Gleich und Hanna Puffer in Media Perspektiven 1/2019). Der Regionalfunk soll die Menschen mit Themen erreichen oder Themen der Menschen sollen ins Radio, so Gerhard Mandel, Studioleiter von SWR4 Mannheim – ehemals Kurpfalz-Radio (in „RNF Profil“ am 29.4.2014 / privates Regionalfernsehen Mannheim). Ein Staat bzw. Bundesland kann in Regionen eingeteilt werden, wenn diese in den Bereichen Kultur und Geschichte, Verkehrsverbindungen, Wirtschaft und Verwaltung eine strukturelle Einheit bilden. Das regionale Bewusstsein der Menschen wird ebenfalls geprägt von den Faktoren Arbeit, Freizeit und soziale Kontakte.

Hohe Pressekonzentration

Ein großes Problem in Deutschland ist die Pressekonzentration die rasant wächst und die Anzahl der Zeitungsübernahmen nimmt stetig zu. Im ersten Quartal 2018 wurden 61,6 % der verkauften Gesamtauflage der Zeitungsbranche von nur 10 Verlagsgruppen verlegt. Im Bereich regionaler Zeitungen haben sich zumeist Gebietsmonopole gebildet. In über zwei Drittel der deutschen Stadt- und Landkreise (insgesamt 401) erscheint nur noch eine einzige Regionalzeitung, in anderen Gebieten gehören mehrere Regionalzeitungen zu einem Verlag wie z.B. in Bremen, Hannover, Stuttgart, Köln und im Ruhrgebiet. Ein echter Wettbewerb zwischen konkurrierenden Anbietern besteht nur noch in wenigen Städten, so in Berlin, München und Frankfurt. „Auch für die lokale Berichterstattung nutzen immer mehr Verlage das Prinzip des Einkaufs redaktioneller Leistungen als Ersatz für die eigene Produktion. Lokalredaktionen werden personell abgebaut oder komplett aufgegeben“ und „die Politik steht der aktuellen Konzentrationswelle eher konsterniert gegenüber. Sie scheint ratlos, agiert und reagiert nicht, beobachtet bestenfalls eine Entwicklung, die sie ob der Folgen für die erwünschte Medienvielfalt ablehnt, aber offensichtlich nicht verhindern kann. Dies gilt sowohl für die ökonomische Konzentration in der Branche als auch für die publizistische Konzentration. Wenn Hauptredaktionen aufgegeben werden oder Lokalteile eingestellt werden, wird dies von der Lokal- und Landespolitik vielfach kritisiert und bedauert. Wenn dann ein Zeitungsjubiläum ansteht, werden Gruß- und Glückwunschbotschaften verfasst. Der Abbau von eigenständigen journalistischen Leistungen wird allerdings ausgeblendet“ (Horst Röper in Media Perspektiven 5/2018). Um so wichtiger ist es, dass öffentlich-rechtliche Sendeanstalten auch in den Regionen mit eigenen journalistischen Angeboten vertreten sind und den Wettbewerb stärken, ohne aber den Verlagen Konkurrenz zu machen. Der öffentlich-rechtliche Regionalfunk stärkt die regionale Identität der Menschen, zumal die Begriffe „Aktualität“ und „Regionalität“ zum Kernauftrag einer Landesrundfunkanstalt gehören.

Große Unterschiede im Norden

Die Dänen sind nicht nur wirtschaftlich erfolgreicher als die Deutschen, sie erhalten auch mehr regionale Informationen durch den öffentlichen Rundfunk. „Danmarks Radio“ bietet im vierten Hörfunk-Programm P4 den ganzen Tag regionale Themen an. Obwohl Dänemark mit 5,73 Millionen weniger Einwohner hat als Niedersachsen (7,98 Mio.), wurde das Land in zehn regionale Sendegebiete eingeteilt – Niedersachsen nur in fünf. Damit verfügt das kleine Königreich in puncto regionaler Information über eine starke Säule und ein Studio versorgt durchschnittlich nur 0,573 Mio. Menschen – in Niedersachsen sind es 1,596 Mio. Personen. Das Herzstück von P4 sind die regionalen Sendungen aus den 10 Studios. Die Regional-Magazine senden werktags zwischen 6 und 10 Uhr sowie 15 und 18 Uhr, mit jeweils halbstündlichen Nachrichten und das Musik-Angebot reicht von Classic Rock bis dänischer Schlager. Die fünf NDR-Studios in Niedersachsen senden kompakte Informationen in einer Länge von zehn Minuten um 17.01 Uhr (Studio Oldenburg: Der Tag im Nordwesten). Zusätzlich werden regionale Nachrichten von jeweils zwei Minuten stündlich zwischen 6.30 und 9.30 Uhr sowie zwischen 13.30 und 15.30 Uhr ausgestrahlt. Bis Ende 1980 durften die NDR-Studios auf NDR 2 (Pop & Infor.) um 17.30 Uhr eine Stunde aus ihren jeweiligen Regionen senden. Im Zuge einer Strukturreform (1.1.1981) beim Norddeutschen Rundfunk/NDR wurde das erste Programm zur Niedersachsen-Welle umgebaut, aber der Regionalfunk wurde deutlich reduziert. Das Studio Oldenburg sendet seit April 1956 ein eigenes Regionalprogramm (Umschau am Abend) für das nördliche Niedersachsen – zu Beginn mit 30 und später mit 60 Minuten. Eine landesweite Regional-Sendung wurde erstmalig am 22.5.1948 aus Hannover gesendet: „Funkbilder aus Niedersachsen“. Zunächst nur dienstags, donnerstags und sonnabends, später dann werktäglich. Die Sendezeit war von Anfang an regelmäßig vormittags von 11 bis 11.30 Uhr, später von 11.05 bis 11.50 Uhr. Heute wird die Sendung von 16 bis 18 Uhr ausgestrahlt.

Durchstarten im Südwesten

Der Urknall für das deutsche Regionalradio war im Südwesten zu hören. Es ist 6.05 Uhr, als das Kurpfalz-Radio am 9. Mai 1979 auf Sendung geht – damals vom Süddeutschen Rundfunk/SDR, heute SWR. Das erste Regionalradio kommt aus Heidelberg, zunächst als Versuch 1975 zur Bundesgartenschau in Mannheim für ein halbes Jahr als regionales Frühmagazin. Mittlerweile hat es seinen Sitz in Mannheim, 2009 wurden fünfeinhalb Stunden Programm gesendet – heute sind es noch eineinhalb Stunden. SWR4 Mannheim, so die aktuelle Bezeichnung, ist die „Stimme der Region“ und das Radio stand Modell für andere Regionalradios im Südwesten und in der gesamten ARD. Zwischen 1981 bis 1994 gingen weitere Radios (von SDR und Südwestfunk/SWF) in Stuttgart, Ulm, Heilbronn, Karlsruhe, Freiburg, Ravensburg (heute Friedrichshafen) und Tübingen auf Sendung. Zwischenzeitlich wollte die Landesregierung in Stuttgart den Ausbau stoppen. „Durch § 13 des Landesmediengesetzes Baden-Württemberg vom 16. Dezember 1985 sollten neue öffentlich-rechtliche Regionalprogramme ausgeschlossen werden, wogegen sich SDR und SWF mittels Verfassungsbeschwerde wandten und durch die sogenannte 5. Rundfunk-Entscheidung des Bundesverfassungsgericht vom 24. März 1987 Recht bekamen“ (Wikipedia). Der SWF hat zudem die Subregionalisierung für Südbaden vorantrieben, also die Frequenzaufspaltung in: Radio Breisgau (Freiburg, seit 1988), Ortenau Radio (Offenburg, 1995), Hochrhein Radio (Lörrach, 1996) und Radio Schwarzwald-Baar-Heuberg (Villingen-Schwenningen, 2002). Damit bot der ÖRR in Baden-Württemberg acht Regional-Radios an – plus drei subregionale Programme. In Rheinland-Pfalz wurden 1998, nach der Fusion von SDR und SWF zum SWR (Südwestrundfunk), fünf regionale Sendegebiete (Mainz, Koblenz, Trier, Kaiserslautern und Ludwigshafen) geschaffen. War der SWR damit ein gutes Vorbild auch für andere Sendeanstalten in Deutschland?

Vor und zurück in Hessen

Der Hessische Rundfunk/HR hat sein regionales Angebot schrittweise ausgebaut. Die Sendung „Rund um Kassel“ wurde bereits ab dem 14.3.1948 ausgestrahlt – allerdings landesweit aus Frankfurt (15 Min.), somit keine echte Regionalsendung. Erst am 26. Juli 1952 nahm Studio Kassel den Betrieb auf und im Laufe der Jahre wird „Rund um Kassel“ auf eine halbe Stunde erweitert und von der Mittagszeit auf 15.30 Uhr verlegt (ab 1964 landesweit im 2. Programm). Ab 5. Mai 1980 wird das neue „Nordhessen-Journal“ werktags (16.07 – 16.35 Uhr) als „Fensterprogramm“ in Nordhessen ausgestrahlt (1. Programm). Dazu kommen Angebote ab 1.10.1984 aus Bensheim („Südhessen-Journal“) und aus dem Funkhaus Frankfurt („Rhein-Main-Journal“). Diese drei parallel laufenden Journale sind werktags von 16.05 Uhr bis 17.00 Uhr zu hören. Sie koppeln sich über spezielle UKW-Frequenzen vom 1. Programm ab. Studio Fulda sendet das „Osthessen-Journal“ ab 16.06.1986. Am 6. September 1986 werden die vier Magazine ins neue 4. Programm (hr4) verlegt und senden ab sofort jeweils von 12.05 bis 12.30 und von 16.05 bis 17.00 Uhr in den „Regionalfenstern“. Das fünfte Journal (für Mittelhessen) kommt ab dem 19.01.1987 aus dem Studio Wetzlar (2001 Umzug nach Gießen). Damit hat der HR nach über zwei Jahren sein Sendegebiet in fünf Gebiete regionalisiert. Mit dem Umzug von hr4 (Softpop, Schlager und Evergreens) von Frankfurt nach Kassel im August 2004 wird die regionale Angebotsstruktur reduziert: werktäglich um 9.30 Uhr schaltet hr4 für eine halbe Stunde nach Darmstadt (Umzug von Bensheim) für Rhein-Main, Gießen für Mittelhessen und Fulda für Nordosthessen. Die mittägliche Regionalsendung wird von einer halben auf eine ganze Stunde ausgeweitet (12.00 bis 13.00 Uhr) und von 16.00 bis 17.00 wird noch ein drittes Mal in die Regionalstudios geschaltet. Damit gibt es keine Regional-Magazine mehr aus Kassel und Frankfurt. Aus Kostengründen wird das Programm ab 1. Mai 2011 neu strukturiert: Die hr4-Regionalfenster werden nach und nach auf Selbstfahrbetrieb ohne Techniker umgestellt, die Redakteure in den drei Regionalstudios Fulda, Gießen und Darmstadt sollen zukünftig ihre Sendungen selbst produzieren und senden. Statt der einstündigen Mittagssendung gibt es nun kompakte Fünf-Minuten-Formate, jeweils um 12.30 und um 14.30 Uhr – sowie eins um 9.30 Uhr. Am 30.1.2012 ändert hr4 sein Programmschema – Themen aus den hessischen Regionen werden nur noch landesweit ausgestrahlt. Die Magazinstunde von 16.05 bis 17 Uhr wird ebenfalls durch eine fünfminütige Sendung um 16.30 Uhr ersetzt. Der HR hat damit die Ausstrahlung von Regional-Magazinen (Beginn ab Mai 1980), unter Bürgerprotesten, aus finanziellen Gründen komplett eingestellt.

Großes Land und kleines Angebot

Der Bayerische Rundfunk/BR begann bereits 1960 Regional-Programme zu entwickeln, lange bevor man in der europäischen Politik von Regionalismus sprach. Die gewachsene Eigenständigkeit von regional-staatlichen Gebieten infolge bestimmter wirtschaftlicher und sozialer Strukturen, geografischer und kultureller Zusammengehörigkeit erforderte eine größere Berücksichtigung durch den Rundfunk. „Regionalprogramme und damit eigentlich ‚Heimat-Programme‘ zu machen, ist aber in Wahrheit ein Dienst an der Welt, an der konkreten Lebensumwelt der Menschen“, so BR-Intendant Reinhold Vöth 1980. Am 2. Oktober 1960 wurde das BR-Sendegebiet in drei Regionen (Altbayern, Franken und Schwaben) gesplittert – zunächst an Sonntagen zwischen 11 und 12 Uhr und später von Sonntag bis Freitag von 12 bis 13 Uhr. Im Februar 1977 wurde Franken in die Sendegebiete Mainfranken (Würzburg) sowie Mittel- und Oberfranken (Nürnberg) aufgeteilt. Im Oktober 1979 wurden die Bezirke Oberpfalz und Niederbayern (Regensburg) ein eigenständiges Sendegebiet. Am 2. April 1979 wurde mit dem Münchner Mittagsmagazin (MMM) das erste City-Magazin im bundesdeutschen Hörfunk etabliert – Oberbayern erhielt ebenfalls ein eigenes Regional-Magazin. Damit glaubte der BR eine Funktionsreform mit den sechs Regional-Programmen entwickelt zu haben, die sowohl flexibel wie wirtschaftlich vertretbar ist, dabei die Interessen der Bürger und Hörer wahrnimmt und den Redakteuren gute Arbeits- und Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Allerdings wurde das vielgelobte City-Programm für München Ende 2015 aus Kostengründen eingestellt. Die Münchner Redaktion wurde aufgelöst und in die Redaktion für Oberbayern integriert. Somit muss sich die Millionenstadt eine Magazin-Sendung mit einer ländlich geprägten Region teilen.

Vorfahrt für das Lokal-Fernsehen

WDR-Intendant Friedrich-Wilhelm von Sell sprach sich bei seinem Amtsantritt am 1.4.1976 für mehr Regionalsendungen im Hörfunk aus. Nach einer WDR-Studie haben die Menschen in NRW ein hohes Interesse an regionalen und lokalen Informationen, die sie aus Zeitung, Hörfunk und Fernsehen erhielten. Daher lautete die Schlussfolgerung der Programmverantwortlichen, „für den Hörfunk gibt es in der Regionalinformation ungenutzte Möglichkeiten“. Zu diesem Zeitpunkt strahlte der Westdeutsche Rundfunk/WDR nur landesweite Sendungen aus: „Echo West“ (1.Prog.), „Zwischen Rhein und Weser“ (eingestellt am 29.5.2017), eine der ältesten Sendungen seit 30.4.1950 (2.Prog.) und „Forum West“ (3.Prog.). Das „Westfalenecho“ aus dem Studio Dortmund, seit dem 1.12.1965, war ein Regional-Magazin für den Landesteil Westfalen. Der WDR sendete das älteste Landesmagazin mit Regional-Informationen ab dem 2.11.1947: „Aus unserem Westdeutschen Tagebuch“ (Vorläufer von „Zwischen Rhein und Weser“). Mit der Hörfunk-Strukturreform am 4.6.1984 wurden auf WDR 1 an den Werktagen zwischen 6 und 9 Uhr fünf Fensterprogramme eingerichtet: Bielefeld (später Aufteilung mit Münster), Essen, Düsseldorf und Köln. Am 1.12.1987 kamen drei Regio-Programme aus Aachen, Wuppertal und Siegen hinzu und 1989 noch Dortmund (nach Beendigung des Kabelpilotprojektes 1988). Bereits 1988 wurden die Fensterprogramme per Reform ins neue Programm WDR 5 verlegt mit der Folge, dass die Hörernutzung hinter den erwarteten Reichweiten erheblich zurückblieb. Bei der Strukturreform 1994 wurde die regionale Berichterstattung völlig umstrukturiert: Die acht Fensterprogramme wurden eingestellt (nach nur zehn Jahren) und dafür nur noch stündlich Regional-Nachrichten aus den acht Studios von zwei bis drei Minuten gesendet – von Montag bis Freitag zwischen 6.31 und 17.31 Uhr. Während WDR 2 zur aktuellen Landeswelle umgebaut wurde, übernahm WDR 5 Hintergrundberichte und Dokumentationen. Damit bekamen die Hörer in NRW vom WDR keine Regional-Magazine mehr angeboten – bei einer Bevölkerungszahl von rund 18 Mio. Menschen kein guter Service.
Dafür hat der WDR hohe Millionen-Beträge in sein Projekt „Lokalzeit“ investiert und zwischen 1984 und 2007 das mittelgroße Land NRW in elf kleine Fernseh-Regionen aufgeteilt. Gesendet wird von Montag bis Freitag um 19.30 Uhr ein Magazin von 30 Minuten und nach 18 Uhr fünf Minuten Nachrichten. Lagen die Kosten der elf „Lokalzeiten“ 1989 jeweils zwischen 2,35 und 4,2 Mio. Euro, so stiegen sie 2014 auf jeweils zwischen 5,41 bis 9,68 Mio. Euro. Die aktuellen Kosten sind nochmal in die Höhe geklettert.

Sparen auch im Südwesten

Aufgrund der angespannten finanziellen Situation der Landesrundfunkanstalten (LRA), wurden die regionalen Hörfunkangebote (deutlich) reduziert bzw. komplett eingestellt (Magazin-Sendungen). Auch SWR Baden-Württemberg konnte seine vorbildlichen Regionalangebote bei SWR4 nicht komplett weiterführen. SWR-Intendant Peter Boudgoust: „Wir wissen, dass wir uns bis 2020 auf ein Finanzloch von 166 Millionen Euro einstellen müssen, wenn wir die Dinge so weiterlaufen lassen wie bisher. Das aber wäre verantwortungslos. Deswegen haben wir uns ein ambitioniertes Einsparprogramm vorgenommen, das nicht ohne Opfer abgehen wird. Betroffen ist aber das ganze Haus von der Verwaltung über die Technik bis zu den Programmbereichen. Am Ende wird ein schlankerer SWR stehen, der seinem Programmauftrag in vollem Umfang nachkommt und erkennbar den Südwesten widerspiegelt und ein Südwestgefühl vermittelt“ (Schwäbisches Tagblatt 22.6.2012). Bereits 2013 entfiel die Subregionalisierung für Südbaden mit den Studios Offenburg, Lörrach und Villingen-Schwenningen. Kritiker der Initiative „Die Regioretter“ und Politiker, bezeichneten diesen Schritt als „rundfunkpolitischen Kahlschlag im Südwesten“. Auch die drei Studioleiter und der Redaktionsleiter „Aktuell“ des Studios Freiburg, sprachen von einer „Zerschlagung bewährter Strukturen“. Und weiter an den Intendanten gerichtet: „Streichen Sie die Subregionalisierung im Regierungsbezirk Freiburg, ist der südbadische Landesteil künftig im Vergleich der am schlechtesten mit Regionalprogrammen ausgestattete Regierungsbezirk des SWR. Es wird schwer fallen, den Südbadenern diese Benachteiligung zu vermitteln.“ In einem Schreiben betonte der Intendant, es gehe ihm „nicht etwa darum die Studiostruktur grundsätzlich anzutasten oder gar ein Studio zu streichen“. „Im Gegenteil, die Studios sollen in ihrer journalistischen Bedeutung erheblich gestärkt werden.“ Boudgoust spricht sich im Brief einerseits ausdrücklich für ein Festhalten an der regionalen Berichterstattung in der Fläche aus, stellt andererseits jedoch die regionalen Frühsendungen und die subregionalen Sendungen zur Disposition.

Die geplante Reform bei SWR4 Baden-Württemberg, wo ab 2016 die sieben unterschiedlichen regionalisierten durch eine landesweite Morgensendung ersetzt werden sollen, stößt dabei auf Zustimmung beim Landesrundfunkrat. Durch die Reform sollen Mittel frei gemacht werden, um die Studios multimedial aufzustellen. So sollen mehr und neue Angebote in allen SWR-Angeboten statt nur in SWR4 verstärkt auch Jüngere angesprochen werden. Volker Stich, Vorsitzender des Landesrundfunkrats Baden-Württemberg: „Wir haben intensiv über mögliche Alternativen zur Aufgabe der siebenfachen Auseinanderschaltung bei der Frühstrecke beraten. Doch keines der Alternativmodelle kann das nötige Einsparvolumen erbringen, damit der SWR seine Zukunftsaufgaben in den Regionen erfüllen kann. Vielmehr bestünde die Gefahr, dass alternative Sparmöglichkeiten die bestehende Studiostruktur gefährden könnten“ (dwdl.de 18.7.2012). Die Leiterin der Strategischen Unternehmensentwicklung beim SWR (Stefanie Schneider) verteidigt die Reform-Pläne: „Der SWR muss sich auf seine Kernkompetenz Regionalität und Aktualität konzentrieren. Und das heißt auch: Wir müssen mehr Nachrichten aus den Regionen bringen. Gelingen kann dies nur, wenn wir statt in Strukturen in Inhalte investieren. Wir haben jetzt vier Jahre Zeit, mit den Mitarbeitern in den Studios neue Arbeitsweisen und Informationsflüsse zu erarbeiten, damit wichtige Inhalte aus den Studios ihren Weg zu Mediennutzern aller Altersgruppen finden“ (dwdl.de 18.7.2012).

Am 4. Januar 2016 wurden in Phase zwei die regionalen Morgensendungen der sieben Studios (Studio Tübingen übernahm die Sendung aus Friedrichshafen) eingestellt und durch eine gemeinsame Morgensendung aus Stuttgart ersetzt. Der Protest in Presse, Politik und Bürgerschaft (schon seit 2012) war sehr heftig und die Programmverantwortlichen in Stuttgart wurden hierfür scharf kritisiert – bis hin zu persönlichen Anfeindungen. Dabei hatten sich die sieben Frühsendungen (von 6 bis 9 Uhr) in den letzten Jahren immer weiter von der „Rahmenvorgabe SWR4“ (wie Musikauswahl und Präsentation) entfernt und die SWR-Zentrale konnte weder Studioleiter noch Mitarbeiter/innen zur Umkehr bewegen. Durch die Reform wurden die Studios multimedial aufgestellt für Radio, Fernsehen und Online. Jedes Studio produziert und sendet jeden Tag regionale Magazine und Nachrichten und darüber hinaus die Sendungen, die aus Stuttgart ausgestrahlt werden: also SWR1, SWR4, SWR-Fernsehen und ARD-Programme. Außerdem produzieren die Studios das regionale, junge Online-Angebot DASDING vor Ort und produzieren ein eigenes aktuelles regionales Online-Angebot – um auf diese Weise auch jüngere Zielgruppen zu erreichen. Denn, so die Medienforschung, die regionalen Radioangebote werden in erster Linie von den Altersgruppen ab 60/70 Jahren intensiv genutzt.

Der SWR verzichtet zudem auf die beliebten und traditionellen Bezeichnungen wie Kurpfalzradio, Frankenradio, Radio Stuttgart usw. In SWR4 werden zukünftig die Studiostandorte beworben, d.h. Studio Mannheim, Studio Heilbronn, Studio Stuttgart usw. Diese Bezeichnungen entsprechen genau den Bezeichnungen der acht Sendegebiete von SWR4 und den acht regionalen Nachrichtenseiten im Internet des SWR (gilt auch für das SWR-Fernsehen). Die Aktivitäten im Internet werden in Zukunft noch stärker an Bedeutung gewinnen: so sind bereits 80% der SWR4 Hörerinnen und Hörer (also die traditionellste Zielgruppe) online. In den jüngeren Zielgruppen sind es nahezu 100% (SWR-Presse 2015).

Durch den Verzicht der sieben Regional-Frühsendungen und die komplette Einstellung der subregionalen Radioangebote in Südbaden (Auflösung der drei kleinen Studios), wurden insgesamt 3,6 Mio. Euro eingespart. Diese Gelder wurden u.a. für die regionalen Online-Angebote eingesetzt, aber auch für die ehem. Studiomitarbeiter/innen und deren Umschulung zu Online-Redakteuren. SWR-Online-Angebote wurden ab 1996 aufgebaut. Die aktuellen Kosten für die acht Regionalstudios und deren Programme belaufen sich auf insgesamt 15,825 Mio. Euro pro Jahr (im Durchschnitt rd. 2 Mio Euro je Studio). Davon entfallen auf die Gehälter der festen Mitarbeiter/innen 7,725 Mio. Euro und 8,1 Mio. Euro stehen für freie Mitarbeiter/innen und die Erhaltung der Infrastruktur (Gebäude, Technik, Büro-Material ect.) zur Verfügung (SWR-Mitteilung 14.6.2019).

Der perfekte niederländische Regionalfunk

Im europäischen Ausland werden von den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten regionale Sendungen landesweit angeboten – unabhängig davon, ob es sich um Bundesstaaten oder zentralistische Staaten handelt. Dabei werden Programme zu bestimmten Sendezeiten gesplittet oder aber es existiert ein Netz von regionalen bzw. lokalen Radio- (und Fernseh-) Sendern für das gesamte Staatsgebiet. Unabhängig vom Wohnort, ob Ballungszentrum oder ländliche Region, erhalten alle Bürger regionale Angebote im Hörfunk und teilweise im Fernsehen. Nachfolgend werden die jeweiligen Angebote in zehn Staaten (kurz) dargestellt.

Den Regional-Rundfunk in Perfektion haben die Niederlande aufgebaut – erste Anfänge gibt es seit 1946. Für jede der 12 Provinzen (Bezirke) existiert ein Rundfunksender – plus einer für die Stadt Rotterdam (RTV Rijnmond/Radio ab 1982/TV ab 1997). In Kooperation mit den nationalen Rundfunk-Organisationen produzieren die 13 eigenständigen regionalen Rundfunkanstalten, die sich in der Stiftung Regionale Publieke Omroep (RPO) zusammengeschlossen haben, ihre jeweiligen Radio- und Fernseh-Programme. Im Durchschnitt ist ein Sender für 1,31 Mio. Bürger, mit einem Gebiet von 3.194 km², zuständig. Der Rundfunk RTV Noord „arbeitet auf der Grundlage einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkgenehmigung der Medienbehörde auf Empfehlung der Provinz Groningen. Die Programmierung unterliegt den Bestimmungen des Mediengesetzes und der Medienverordnung. Dazu gehört das Bestehen eines sogenannten Programme Policy Determining Body (PBO), das das Medienangebot des Senders auf der Grundlage des Auftrags und der Aufgaben des regionalen Senders ermittelt und bewertet. Die Zusammensetzung dieser PBO muss ein Spiegelbild der regionalen Gesellschaft sein. Seine Mitglieder werden vom Direktor auf Empfehlung des Chefredakteurs ernannt“ (Richtlinien RTV Noord). Die Stiftung wird von einem Direktor und einem Aufsichtsrat (aus fünf Personen) geleitet und der „Regional Media Council“ (aus elf gesellschaftlichen Vertretern) ist das öffentliche Kontrollorgan des Rundfunks. Die Kernaufgabe des Senders besteht darin, „Nachrichten und Informationen für und über die eigene Provinz und deren Hintergründe bereitzustellen. Darüberhinaus wird viel Wert auf Sport und regionale Kultur gelegt. Unterhaltung spielt im Aufgabenbereich eine untergeordnete Rolle“ (RTV Noord).

Die Finanzierung der Regional-Sender erfolgt aus Mitteln des Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft (OCW) – also aus Steuergeldern sowie eigenen Werbeeinnahmen. Beim Sender RTV Noord lagen im Jahr 2018 die Einnahmen bei 11,432 Mio. Euro (davon 9,277 Mio. Euro vom OCW und 1,893 Mio. Euro aus Werbeeinnahmen) und die Betriebsausgaben bei 11,424 Mio. Euro. Größte Ausgabeposten waren Löhne/Gehälter mit 4,647 Mio. und Sozialkosten mit 1,138 Mio. Euro. Direkte Produktionskosten schlugen mit 3,262 Mio. Euro, sonstige Betriebsaufwendungen mit 1,567 Mio. Euro und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen mit 0,810 Mio. Euro zu Buche (Geschäftsbericht RTV Noord 2018).

In der Provinz Groningen ist Radio Noord Marktführer im Hörfunkbereich (aktuelle Sendungen 6 bis 10 und 16 bis 19 Uhr). Der Marktanteil lag 2018 bei 19,1 Prozent (Hörer ab 10 Jahre, Zeit von 7 bis 19 Uhr). Auf den Plätzen zwei und drei folgen die nationalen öffentl.-rechtl. Programme NPO Radio 2 (Infor. & Kleinkunst; Schlager, Popsoft und Oldies) mit 11,1% und NPO Radio 1 (Aktuelles, Politik, Sport und leichte Musik) mit 8,5%. Auf Platz elf folgt NPO Radio 4 (Kultur & Klassik) und mit 3,1% abgeschlagen auf Platz 18 das junge Radio NPO 3FM mit 1 Prozent. Den Löwenanteil erzielen private (Musik-) Radios und der ÖRR erreicht insgesamt einen Marktanteil von 42,8 Prozent (insgesamt 7/8 Programme). Radio Noord erreicht pro Tag 65.000 und pro Woche 106.000 Hörer (2015 noch 144.000 Hörer). In der Provinz erzielte TV Noord 2018 einen Marktanteil von 18,6 Prozent mit täglich 94.000 Zuschauern (ab 13 Jahren, Zeit von 18 bis 24 Uhr). Pro Woche wurden 186.000 und pro Monat 260.000 Zuschauer erreicht. Gesendet wird ein halbstündiges Magazin seit 1995. Im Online-Bereich wurden 2018 pro Monat im Mittel 9,083 Mio. Aufrufe bei RTV Noord registriert. Ein Viertel der Online-Besucher ist zwischen 13 und 39 Jahre alt. Etwas mehr als zwanzig Prozent sind 60 Jahre oder älter (Geschäftsbericht RTV Noord 2018).

In England unterhält die BBC (insgesamt 11/12 Programme in GB) mit „BBC Local Radio“ ein Netz von 40 Sendern, die für eine Region oder ein Ballungszentrum, wie z.B. London, zuständig sind. Mit Radio Leicester ging der erste Sender am 8.11.1967 auf Sendung. Zusätzlich zu diesen 40 Sendern gibt es einen (subregionalen) Opt-out-Service für Dorset (BBC Radio Solent). Früher gab es auch Opt-out-Dienste für Milton Keynes (BBC Three Counties Radio), Peterborough und die Fens (BBC Radio Cambridgeshire), Plymouth (BBC Radio Devon) und Swindon (BBC Wiltshire), die jedoch 2012 aufgrund von Kürzungen bei der BBC eingestellt wurden. BBC Radio Kent (als Beispiel) sendet aktuelle Sendungen von 5 bis 9 und 16 bis 19 Uhr und die Zielgruppe der Regionalsender ist die Altersgruppe 50 Jahre und älter. Im Durchschnitt ist ein Sender für 1,39 Mio. Bürger, mit einem Gebiet von 3.260 km², zuständig. Der Local-Service gehört zum „BBC English Regions department“ – eine „division of BBC News“. Für die Nationen Schottland, Wales und Nordirland (offizielle Bezeichnung) werden jeweils zwei Radio-Programme (davon jeweils eins in deren ureigenen Landessprache) von deren jeweiligen Funkhäusern gesendet.

Das Königreich Dänemark wurde in zehn regionale Sendegebiete eingeteilt. „Danmarks Radio“ (DR) bietet im vierten Hörfunk-Programm P4 (insgesamt 8 Programme) den ganzen Tag regionale Themen an. Der Schwerpunkt von P4 sind die aktuellen Sendungen aus den 10 Studios – werktags zwischen 6 und 10 sowie 15 und 18 Uhr, mit jeweils halbstündlichen Nachrichten. Das Musikangebot reicht von Classic Rock bis dänischer Schlager. Im Durchschnitt ist ein Regionalfenster für 0,573 Mio. Bürger, mit einem Gebiet von 4.310 km², zuständig. Regionale Sendungen werden seit 1960 ausgestrahlt. Die Marktanteile für die Radio-Programme sehen für 2018 wie folgt aus: P4 (Regionales) 39,6%, P3 (Junge Welle) 12,4%, P5 (Aktuelles) 7,7%, P1 (anspruchsvolles Infor. u. Kultur-Prog.) 6,8%, P2 (Kultur & Klassik) 3,3% und als erstes Privat-Radio Nova mit 4,1% (DR Jahresbericht 2018).

„France Bleu“ ist ein Netzwerk von 44 lokalen und regionalen Radiosender in Frankreich und ein Teil von Radio France. Entstanden ist „France Bleu“ am 4.9.2000 durch die Fusion von „Les locales de Radio France“ und „Radio Bleu“. Erste Regionalsender sind 1975 an den Start gegangen – noch zu Zeiten vom Staatsfunk ORTF. In den 90er Jahren waren bereits 40 Sender bei Radio France (insgesamt 7/8 Programme) auf Sendung. Im Jahr 2002 wurde mit dem „La CityRadio de Paris“ ein spezieller lokaler Dienst für Paris eingeführt. Am 16.12.2005 fusionierten France „Bleu Melun“ und „La CityRadio de Paris“ zum regionalen Sender „France Bleu Ile-de-France“ (Sendebeginn 2.1.2006). Der Name wurde im September 2009 in „France Bleu 107.1“ geändert. Die letzten drei Sender die hinzukamen waren „France Bleu Maine“ (2010), „France Bleu Toulouse“ (2011) und „France Bleu Saint-Etienne Loire“ (2013). Radio „France Bleu Elsass“ in Straßburg sendet aktuelle Magazine von 6 bis 9, 12 bis 13 und 16 bis 19 Uhr – zudem ein Sozial-Magazin um 9 Uhr und eine Spielsendung um 11 Uhr. Die übrigen Sendezeiten werden mit Kultur-, Unterhaltungs- und Ratgeber-Sendungen aus der Zentrale in Paris belegt. Die Hörerschaft der Regionalsender ist 50 Jahre und älter. Im Durchschnitt ist ein Sender für 1,477 Mio. Bürger, mit einem Gebiet von 12.363 km², zuständig.

Österreich gliedert sich in neun Bundesländer und die Landesstudios (gegründet 1967) in den acht Hauptstädten (das Landesstudio Vorarlberg hat seinen Sitz nicht in der Hauptstadt Bregenz sondern in Dornbirn) senden ihr jeweiliges Landes-Programm im ORF-Programm Ö2 (insgesamt 4 Programme). Die Größe der Länder sind mit deutschen Verwaltungsbezirken vergleichbar. Seit 1975 besteht zudem ein Landesstudio in Bozen für die deutschsprachige Bevölkerung in Südtirol. Radio Tirol in Innsbruck sendet seine aktuellen Sendungen von 5 bis 9, 12.30 bis 13 und 15 bis 18 Uhr. Im Land Tirol ist Radio Tirol Marktführer im Hörfunkbereich und der Marktanteil lag 2018 bei 30 Prozent (Hörer ab 10 Jahre, Ganztag, Montag-Sonntag). Auf den Plätzen zwei und drei folgen die ORF-Popwelle Ö3 mit 29 und das private Radio Osttirol mit 18,0 Prozent. Das anspruchsvolle ORF-Radio Ö1 (Politk, Kultur, Klassik) folgt auf Platz acht mit 5 Prozent und das junge ORF-Radio FM4 mit 3 Prozent auf Platz neun (ORF-Medienforschung Radiotest 2018). Im Durchschnitt ist ein Landes-Sender für 0,980 Mio. Bürger, mit einem Gebiet von 9.320 km², zuständig. Die Musikfarbe orientiert sich eher am älteren Publikum. Eine Ausnahme bildet Radio Wien, hier wird eher Pop-Musik gespielt.

Die Regionalsendungen im Programm SRF1 in der Deutsch-Schweiz sind mit werktäglich 52 Minuten eher gering. Im ersten Radio-Programm (insgesamt 6 Programme) werden in sechs Regionen jeweils fünf Minuten Regional-Nachrichten um 6.32, 7.32 und 8.32 Uhr ausgestrahlt, sowie von 12.03 bis 12.10 Uhr. Von 17.30 bis 18 Uhr wird in sieben Regionen ein aktuelles Tages-Magazin gesendet. Im Durchschnitt ist ein Regionalfenster (7 Regionen) für 0,782 Mio. Bürger, mit einem Gebiet von 3.778 km², zuständig. Die Regionalfenster werden seit 1978 ausgestrahlt – die Sendung aus Aargau erst seit 1984. Die Marktanteile für die Radio-Programme sehen für 2017 wie folgt aus: SRF1 (Infor. u. Musik) 30,8%, SRF2 (Kultur & Klassik) 3,3%, SRF3 (Popmusik) 15,8%, SRF4 (News) 0,8% und SRF5 (Junge Welle Virus) 0,3% (SRF Jahresbericht 2018).

Der „Tschechische Rundfunk“ (Cro), zuständig für den Hörfunk, besteht seit 1993 und ist aus der Teilung vom Tschechoslowakischen Rundfunk hervorgegangen. Cro strahlt insgesamt neun Programme aus, darunter drei digitale Programme. Im fünften Programm werden elf Fensterprogramme (mit Regional-Nachrichten) angeboten und der Unterhaltungsteil (aus Prag) besteht aus Oldies, volkstümlicher Musik und Kleinkunst. Die (aktuellen) Sendungen aus Studio Liberec (Reichenberg) werden von 5 bis 9 und 14 bis 16 Uhr (Unterhaltung und Service) ausgestrahlt. Von 19 bis 19.10 Uhr werden kompakte Informationen gesendet. Im Durchschnitt ist ein Fensterprogramm für 0,965 Mio. Bürger, mit einem Gebiet von 7.170 km², zuständig.

Am 29. Dezember 1992 wurde in Polen der Rundfunk (Hörfunk und Fernsehen) reorganisiert. Aus dem staatlichen „Radiotelewizja Polska“ (RTVP) entstanden 19 neue Unternehmen: Telewizja Polska S.A., Polskie Radio S.A. und 17 regionale Gesellschaften. Die Regional-Sender senden autonom jeweils ein 24-Stunden-Programm – wobei acht Sender noch jeweils ein Zusatz-Programm ausstrahlen. Radio Opole (Oppeln) sendet aktuelle Magazin-Sendungen von 6 bis 9 und 16 bis 18 Uhr und von 12 bis 14 Uhr geht es im „Funkstandort“ um regionale Themen mit Gästen im Studio bzw. vor Ort. Am Sonntag wird von 20 bis 21 Uhr eine deutschsprachige Kultur-Sendung ausgestrahlt und im zweiten Programm werden Lokal-Nachrichten verbreitet. Im Durchschnitt ist ein Regional-Sender für 2,245 Mio. Bürger, mit einem Gebiet von 18.393 km², zuständig.

Rai-Südtirol, ist der deutsche Dienst der Rai mit Sitz in Bozen und die Südtiroler Stimme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (insgesamt 11 Hörfunk-Programme). Südtirol wird von der Rai seit 1945 im Hörfunk in deutscher Sprache bedient, wenige Monate später wird im Radio auch Ladinisch gesprochen. Das deutsche Fernsehen startet 1966, die erste Ausgabe der Tagesschau wird am 7. Februar 1966 gesendet – von Rom aus, dann Umzug von Rom nach Bozen und neue Sendungen, u.a. die Spätausgabe der Tagesschau „10 nach 10“. Im Radio-Programm wird für Deutsche, Italiener und Ladiner gesendet. Die deutsche Sprachgruppe hat ihr Fenster-Programm mit aktuellen Informationen und anspruchsvollen Sendungen von 6 bis 9, 12.30-12.45, 13.00-13.20, 14 bis 17 Uhr und abends. Im Hörfunk werden täglich 15 Stunden, im Fernsehen durchschnittlich zwei Stunden gesendet. In der Südtiroler Medienwelt liegt Rai Südtirol mit an der Spitze. Zwei von drei Südtirolerinnen und Südtirolern wählen dieses Programm. Das gilt vor allem für die Tagesschau um 20 Uhr und für deren Spätausgabe um 22.10 Uhr (jeweils rd. 20 Min.).

Der Belgische Rundfunk ist zuständig für die öffentlich-rechtliche Rundfunkversorgung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens (DG) und dient gleichzeitig „als Identitätsfaktor für die Bürger in den neun Gemeinden“ mit rund 76.000 Personen – auf einer Fläche von 854 km² (Berlin 892 km²). Der Sender in Brüssel, mit Programm seit 1961, wurde 1964 offiziell in „Belgischer Hör- und Fernsehfunk“ (BHF) umbenannt. Der Umzug nach Eupen (Regierungssitz) erfolgte 1979 und 1995 wurde ein neues Funkhaus bezogen. Am 1. April 1983 wurde ein Ganztagsprogramm eingeführt und das Studio in St. Vith eröffnet. Der BRF (offizielle Bezeichnung: Belgisches Rundfunk- und Fernsehzentrum der Deutschsprachigen Gemeinschaft) beginnt 1993 mit wöchentlichen Fernseh-Sendungen, ab 1999 wird ein tägliches aktuelles Fernsehmagazin von ca. 15 Minuten gesendet. Im Jahr 2001 wurden die Hörfunkwellen BRF1 (Infor.-Magazine, Pop & Rock, abends Chansons & Klassik) und BRF2 (Kultur, Schlager & Volksmusik) getrennt und das gemeinsame Programm Deutschlandfunk-BRF für deutschsprachige Hörer in Brüssel geschaffen. 2004 erfolgt die Einrichtung der BRF Online-Redaktion. Aktuelle Magazine werden von 6 – 10 (getrennt in BRF1+2), 18 – 19 Uhr (BRF1+2) und 21 – 21.35 (BRF1) ausgestrahlt. Laut Forsa-Umfrage vom März 2018 beträgt die Tagesreichweite für BRF1 30 und für BRF2 19 Prozent – WDR1Live erreicht in der Region 15, WDR 2 11 und das 100,5 Hitradio (Eupen) 12 Prozent. Stärkste Hörergruppen bei BRF1 sind die 40- bis 49-Jährigen und die 30- bis 39-Jährigen und bei BRF2 die Hörer ab 60 Jahren. Der BRF-Haushalt 2018 hat ein Volumen von 6,973 Mio. Euro. Vom Ministerium der DG kommen ca. 6 Mio. Euro (Steuern) und aus Werbeeinnahmen rd. 1 Mio. Euro. Beschäftigt werden vom BRF 71 Personen, davon 43 in Vollzeit (Angaben: Tätigkeitsbericht 2018). Zudem stehen dem Sender ein großer Übertragungs- und ein kleiner Satellitenwagen zur Verfügung.

16 (ARD-) Landesprogramme im Überblick

Nachfolgend werden die jeweiligen Hörfunk-Programme aufgeführt, in denen die tagesaktuellen Ereignisse im Regionalfunk (ab 12 Uhr) ausgestrahlt werden – ergänzt um landesweite Magazin-Sendungen (evtl. in einem anderen Programm), plus Nachrichten. Die Informations-Sendungen haben in der Regel eine Länge von einer bis zwei Stunden bzw. von 10 Minuten. Zusätzlich sind die Reichweiten (Marktanteil/MA plus ARD-Ranking) vermerkt: Hörfunknutzung der ARD-Programme 2019, Reichweiten in den jeweiligen Sendegebieten/Bundesland (in Prozent) und national (Anzahl Hörer in Mio.), Montag bis Freitag, 5.00 bis 24.00 Uhr, Hörer ab 14 Jahren. Quelle: Media-Analyse 2019 Audio I, SWR Medienforschung/Programmstrategie (ard.de/Die ARD/Fakten).

1. Schleswig-Holstein: NDR 1 Welle Nord – Regional-Nachrichten 10.30 u. 16.30 – Landes-Magazin 16 bis 18 Uhr – 17 Uhr Der Tag um 5 – MA: 18% (10. Platz im ARD-Hörfunk-Ranking) – 0,55 Mio Hörer

2. Niedersachsen: NDR 1 N. – Reg.-Nachr. stdl. 6.30 – 9.30 u. 13.30 – 15.30 – Landes-Magazin 16 bis 18 Uhr – 17.01 bis 17.11 Der Tag in … (Reg.) – MA: 20,7% (9.) – 1,71 Mio

3. Mecklenburg-Vorpommern: NDR 1 Radio M.V. – Reg.-Nachr. stdl. 9.35, 12.40, stdl. 16.30 – 18.30 – Landes-Magazin 16 bis 19 Uhr – Der Tag kompakt 20 – 20.10 Uhr – MA: 27,6% (2.) – 0,41 Mio

4. Hamburg: NDR 1 90,3 – Landes-Magazin 17 bis 19 Uhr – MA: 13,6% (11.) – 0,41 Mio

5. Bremen: Bremen 1 – Rundschau am Nachmittag (je 10 Min.) 16 u. 17 Uhr – MA: 21,1% (8.) – 0,30 Mio

6. Berlin: RBB 88.8 – Landes-Magazin 17 bis 19 Uhr – MA: 6,0% (16.) – 0,31 Mio

7. Brandenburg: RBB Antenne Brandenburg – Regional-Magazin 14 bis 17 Uhr – Panorama (Brandbg.,Deut.,Welt) 17 bis 19 Uhr – MA: 9,7% (15.) – 0,53 Mio

8. Nordrhein-Westfalen: WDR 2 – Reg.-Nachr. stdl. 6.31 – 17.31 – Landes-Magazin 16 bis 19 Uhr –
WDR 5 – 17.04 bis 17.45 Landes-Magazin (Hintergrund-Infor.) – MA: 22,1% (7.) – 3,63 Mio

9. Sachsen-Anhalt: MDR 1 S.-An. – Reg.-Nachr. stdl. 6.30 – 9.30 u. 12.30, 16.30, 17.30 – Der Tag in S.-Anhalt 12 u. 17 Uhr (je 9 Min.) – MA: 26,7% (3.) – 0,62 Mio

10. Thüringen: MDR 1 Th. – Reg.-Nachr. stdl. 6.30 – 8.30 u. 11.30, 15.3 – 17.30 – Landes-Magazin 18 bis 19 Uhr –
MA: 28,2% (1.) – 0,65

11. Sachsen: MDR 1 S. – Reg.-Nachr. stdl. 5.30 – 13.30 u. 15.30, 17.30, 18.30 – Radioreport (je 10 Min.) 14.30 u. 16.30 Uhr – MA: 24,0% (5.) – 1,01 Mio

12. Hessen: HR 4 – Reg.-Nachr. 12.30, 14.30, 16.30 – Hessenschau (je 5 Min.) stdl. 6.30 – 9.30 – MA: 10,2% (14.) – 0,69 Mio

13. Saarland: SR 3 – Magazin Region 12 bis 13 u. 16 bis 17 Uhr – Rundschau 18 bis 18.10 Uhr – MA: 23,0% (6.) – 0,23 Mio

14. Rheinland-Pfalz: SWR 4 – Reg.-Nachr. stdl. 6.30 – 17.30 –  Regional-Magazin 12 bis 13 – Landes-Magazin in SWR 1 16 bis 18 Uhr – MA: 11,8% (13.) – 0,55 Mio

15. Baden-Württemberg: SWR 4 – Reg.-Nachr. stdl. 6.30 – 17.30 – Regional-Magazin 12.30 bis 13 u. 16 bis 17 Uhr – MA: 12,8% (12.) – 1,26 Mio

16. Bayern: BR 1 – Reg.-Nachr. stdl. 6.30 – 11.30 u. 13.30 – 17.30 – Regional-Magazin 12 bis 13 Uhr – Regional-Magazin in BR 2 (Bayern Nord/Süd) 13.30 bis 14 Uhr – Landes-Magazin 17 bis 18 Uhr – MA: 11,8% (13.) – 0,55 Mio

Zusammenfassung

Nur in 4 Bundesländern werden von den (ARD-) Landesrundfunkanstalten regionale Magazin-Sendungen (mind. 55 Min.) ausgestrahlt. In Baden-Württemberg (SWR) senden acht Studios jeweils 85 Minuten, in Rheinland-Pfalz (SWR) fünf Studios jeweils 55 Minuten, in Bayern (BR) fünf Studios jeweils 55 Minuten und in Brandenburg (RBB) drei Studios jeweils 165 Minuten (allerdings je Stunde nur 1 bis 2 redaktionelle Beiträge). Damit liegt Baden-Württemberg mit seinem Regionalangebot an der Spitze in Deutschland. Vier Bundesländer (Saarland/SR, Berlin/RBB, Hamburg/NDR und Bremen/R.B.) sind wegen ihrer kleinen Größe zugleich auch als Regionalgebiet einzustufen. Der Landesfunk ist somit auch Regionalfunk. Damit verbleiben acht Bundesländer die keine aktuelle Regional-Magazine (mind. 55 Min.) ausstrahlen. Vier Bundesländer (Schleswig-Holstein/NDR, Thüringen/MDR, Sachsen/MDR und Sachsen-Anhalt/MDR) weisen eine Landfläche von bis zu 20.000 km² aus (mit 2,1 bis 4,1 Mio. Einwohner) und bei dieser Größenordnung sind Regional-Sendungen evtl. nicht zwingend notwendig. Allerdings sollte dbzgl. jedes Land einer Analyse unterzogen werden.

Von den übrigen vier Bundesländern weisen zwei extreme Werte auf. Niedersachsen ist mit 47.624 km² (7,979 Mio. Einwohner) das zweitgrößte Flächenland nach Bayern und der NDR hat Ende 1980 die Regional-Magazine (jeweils 1 Std.) durch Kurz-Sendungen von 10 Minuten ersetzt – aus jeweils fünf Studios. Für ein Land von dieser Größenordnung wären regionale Magazinsendungen eine sehr sinnvolle und notwendige Ergänzung zu den Landes-Magazinen. Möglich wären 8 bis 9 Radio-Regionen – auch in Kooperation mit Radio Bremen. Für beide Sendeanstalten wäre es allerdings ein sehr großer finanzieller Kraftakt. Nordrhein-Westfalen ist mit 34.085 zwar nur ein mittelgroßes Land – aber mit rd. 18 Millionen Einwohnern auf der Ebene der Niederlande mit 17 Mio. Einwohnern. Der WDR hat 8 Fenster-Programme nur von 1984 bis 1994 ausgestrahlt. Dafür hat er hohe Millionen-Beträge in das Projekt „Lokalzeit“ investiert und zwischen 1984 und 2007 das Land NRW in elf kleine Fernseh-Regionen aufgeteilt – für 30 Minuten Lokal-Fernsehen um 19.30 Uhr (Montag bis Freitag). Mit weniger Finanzen könnten 10 bis 11 Radio-Regionen aufgebaut und den Bürgern umfassende Regional-Informationen in großer Vielfalt angeboten werden. Das gilt insbesondere für das Ruhrgebiet mit zwei bis drei Angeboten (ca. 5 Mio. Menschen), die Ballungsräume Köln und Düsseldorf und die Regionen Münster, Bielefeld, Sauerland, Bonn, Aachen und Niederrhein. Der WDR müsste für die Fenster-Programme Finanz-Mittel intern umschichten.

Der HR hat regionale Fenster-Programme von 1980 bis 2012 ausgestrahlt – zuletzt in drei Regionen (zuvor in fünf). Mit 21.115 km² ist Hessen zwar nur ein mittelgroßes Land – aber mit 6,2 Mio. Einwohnern. Die Problematik besteht insbesondere darin, dass Hessen mit dem Rhein-Main-Gebiet über ein Ballungszentrum (dicht besiedelt) verfügt, während die Landesteile Nord und Mitte eher dünn besiedelt sind. Schon aus diesen Gründen wären vier bis fünf Fenster-Programme notwendig. Aufgrund der finanziellen Situation des HR dürfte die Realisierung an den Kosten scheitern. Mecklenburg-Vorpommern zählt mit 23.180 km² ebenfalls zu den mittelgroßen Bundesländern, die Einwohnerzahl liegt aber bei nur rd. 1,6 Millionen. Die Tendenz geht in den nächsten Jahren Richtung 1,5 Mio. Personen und würde damit weit unter der Einwohnerzahl von Hamburg liegen. Derzeit werden fünf Mal täglich Regional-Nachrichten aus vier Studios gesendet. Bei der Größe des Landes wären mindestens drei Fenster-Programme sinnvoll und wünschenswert, allerdings wäre dies für den NDR ein extremer finanzieller Kraftakt. Kooperationen mit dem RBB in Brandenburg bezgl. Zusammenlegung von Sendegebieten sind aber durchaus möglich.

Insgesamt betrachtet bieten sechs von neun Landesrundfunkanstalten (LRA) in 21 Regionen Fenster-Programme an – plus die Gebiete der vier Klein-Länder. An der Spitze steht der SWR mit 13 regionalen Angeboten – es folgt der BR mit 5, der RBB mit 4, der NDR mit 1, der SR mit 1 und R.B./Bremen mit 1. Für die große Landfläche und Einwohnerzahl Deutschlands ist das eindeutig zu wenig. Denn für die Bundesbürger bedeutet diese Situation, insbesondere im europäischen Vergleich, sehr wenige Regionalangebote im öffentlich-rechtlichen Hörfunk. Darüberhinaus gilt für die Bürger das Zufalls-Prinzip – je nach Bundesland und Wohnort, erhalten sie ein gutes, durchschnittliches oder sehr einfaches Regionalangebot. Dieses stellt auch ein Nachteil für die kommunale Demokratie dar. Nicht nur für das Tagesgeschehen stehen weniger Programme und Sendezeiten zur Verfügung, sondern auch für Informations-Vermittlung der kommunalen Arbeit der Politiker und anderer Akteure aus dem gesellschaftlichen Leben. Der öffentlich-rechtliche Sendeauftrag ist von den neun (ARD-) Sendeanstalten auf regionaler Ebene nur unzureichend realisiert worden – zum Nachteil von Millionen von Bürgern und ihrem Engagement im Regional- bzw. Lokalbereich. Die Angebots- und Meinungsvielfalt wird dadurch geschwächt, dass zwei Drittel der 401 deutschen Stadt- und Landkreise nur noch über jeweils eine Regional-Zeitung verfügen. Bürger-Radios und vergleichbare öffentliche Klein-Sender sind kein adäquater Ersatz, da ihre Anzahl zu gering ist, diese über zu wenig Finanzen und Personal verfügen und kaum bzw. gar nicht im Bewusstsein der Bürger verankert sind.

Gründe

Es sind eine Reihe von Gründen verantwortlich, warum das regionale Radio-Angebot in Deutschland, im Vergleich mit europäischen Staaten, nicht sehr ausgeprägt ist. Dabei stehen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland jährlich rund 10 Milliarden Euro (inkl. 320 Mio Euro aus Steuern für die Deutsche Welle) zur Verfügung (das ist Weltspitze – der BBC-Etat beträgt rd.5,5 Mrd. Euro pro Jahr). Insgesamt lassen sich sieben Gründe anführen:

1. In den europäischen Staaten werden auf zwei und in Deutschland auf drei Ebenen Hörfunk-Sendungen produziert und ausgestrahlt:
a) Nation – vom Deutschlandradio; b) Land – von 9 (ARD-) Landesrundfunkanstalten; c) Region – insbesondere von SWR, BR, RBB. Insgesamt sind 12 Sendeanstalten (mit ZDF und Deutscher Welle) auf nationaler und Länder-Ebene tätig, mit jeweils eigenen Apparaten und Programmen, aber zum großen Teil mit den gleichen programmlichen Angeboten (Hörfunk und/oder Fernsehen).
2. Dieses bedeutet Ressourcen-Bindung in Finanzen, Personal, technischer Ausstattung und Studiokapazität.
3. Einzelne Sendeanstalten haben für bestimmte Aufgabenbereiche zu wenig Finanzmittel und Personal zur Verfügung – so auch für den regionalen Hörfunk. Darüberhinaus, so nord- und süddeutsche Hörfunkmitarbeiter/innen ist „die technische Ausstattung der Sendeanstalten im Süden besser als im Norden“ und „im Norden werde der Hörfunk kaputt gespart“. Umschichtungen von Finanzen vom Hörfunk zum Fernsehen werden seit den 80er Jahren durchgeführt – mit negativen Resultaten für den Hörfunk insgesamt. Die Anzahl der Beiträge wird reduziert und Musik dominiert (viele) Abend- und Wochenend-Programme (Musik abspielen ist preiswerter).
4. Seit Mitte der 90er Jahren haben alle Sendeanstalten mit dem Aufbau einer dritten Mediensäule, neben Hörfunk und Fernsehen, begonnen – dem Online-Bereich. Hier bieten die neun Landesrundfunkanstalten für ihre Sendegebiete, auch im Regionalbereich, Informationen für die Bürger an. Dafür wurden Finanzen auch aus dem Hörfunk herangezogen.
5. Am Ende stehen immer programmliche und rundfunk-politische Entscheidungen der Geschäftsführungen der Sendeanstalten betr. Pro oder Contra Regionalfunk.

Ausblick

Um dem Regionalfunk mehr Chancen zu ermöglichen und die Angebote zu stärken, werden hier einige konkrete Vorschläge aufgeführt.
1. Mehr Kooperationen zwischen den 9 Landesrundfunkanstalten und dem Deutschlandradio in den Bereichen Verwaltung, Technik, Produktion und Online (nicht jede Sendeanstalt muss zwangsläufig über alle „Fachdienste“ verfügen) sowie im Programmbereich – Austausch von Beiträgen und gemeinsame Produktion von Sendungen und Programmen.
2. Reduzierungen in den Verwaltungen insgesamt und aller weiteren fachlichen „Diensteinrichtungen“.
3. Reduzierungen aller nicht notwendigen Ausgaben für Sendungen in Fernsehen (u.a. Tagesschau24 und Dritte FS-Programme) und Hörfunk.
4. Prüfung von Möglichkeiten betr. Reduzierung der Anzahl von Einzelstandorten und „Rückbau“ von nicht notwendigen Studiokapazitäten und weiterer Einrichtungen.
5. Betreffend der Anzahl der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, sollten Rundfunk-Geschäftsleitungen, Rundfunk-Gremien und Landespolitik die Möglichkeit prüfen, die Anzahl von Mehrländeranstalten zu erhöhen. Dieses würde mehr Finanzmittel für den gesamten Programmbereich aller Sendeanstalten ermöglichen.
6. Für einen bundesweiten Auf- und Ausbau des Regionalfunks in Deutschlands, könnte ein „Nationaler Regionalfunk-Plan“ die Voraussetzung bieten und Finanzierungskonzepte aufzeigen. Aktuell werden in Deutschland nur 21 Regionalfunk-Angebote in vier Bundesländern den Bürgern angeboten – plus die Gebiete der vier Klein-Länder mit ihren Landes- bzw. Regionalsendungen.

Mit insgesamt 25 regionalen Angeboten schneidet Deutschland im europäischen Vergleich, insbesondere mit England und Frankreich, schlecht ab. England verfügt über ein Netz von 40 „BBC Local Radios“ und Frankreich über ein Netz von 44 Sendern von „France Bleu“. Diese Angebote erstrecken sich über das gesamte Staatsgebiet – zum Vorteil aller Bürger. Wie in der Tabelle (Überblick Regional-Sendungen) deutlich wird, sind die Sendegebiete in den zehn europäischen Staaten in der Regel wesentlich kleiner als in Deutschland. Rein rechnerisch könnten in ganz Deutschland 63 Regionalfunk-Angebote geschaffen werden (Annahme: durchschnittlich 1,5 Mio. Einwohner auf einer Fläche von jeweils 5.000 km²). Die Jahres-Gesamtkosten für die 63 Studios (mit mind. 90 Min. regionaler Information) würden sich auf ca. 126 Mio. Euro belaufen (Kosten je SWR-Studio in Baden-Württemberg pro Jahr rund 2 Mio. Euro). Wobei natürlich die Frage zu beantworten wäre, in welchem Programm die Regional-Sendungen ausgestrahlt und welche Zielgruppen und Altersgruppen erreicht werden sollen.

Der Einwand, Deutschland verfüge mit neun unabhängigen Landesrundfunkanstalten über ein Netz von defacto regionalen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, ist in sofern nicht korrekt da diese Sendeanstalten in erster Linie die Programme produzieren, welche im Ausland fast ausnahmslos von den jeweiligen nationalen Rundfunkgesellschaften hergestellt werden. Dagegen sind die wenigen regionalen Angebote in Deutschland nur ein Zusatzangebot, aber kein umfassendes und grundsätzliches Angebot wie im Ausland und immer abhängig von der finanziellen Situation der jeweiligen Landesrundfunkanstalt. Bedeutet im Klartext: Regionalfunk nach Kassenlage. Interessant sind dbzgl. die Aussagen von einigen wenigen Rundfunk-Intendanten von vor. ca. 20 Jahren: Würden die Bundes- und Landespolitiker die Anzahl der Bundesländer reduzieren, würden automatisch weniger Landesrundfunkanstalten, Funkhäuser und Programme nötig sein und damit könnten die Rundfunkausgaben (deutlich) reduziert werden.

Zu begrüßen ist, dass im Bundesstaat Deutschland auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk föderal organisiert ist (abgesehen von ZDF – eine gemeinsame Ländereinrichtung – und Deutschlandradio). Allerdings sagt der Föderalismus nichts aus über die Anzahl der (Landes-) Rundfunkgesellschaften und die Meinungsvielfalt wäre auch mit weniger Sendeanstalten gewährleistet. In fast allen Staaten der Welt existiert in der Regel fast immer nur eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt. Nicht alles was wünschenswert ist, kann angesichts der finanziellen Situation und teilweiser hoher Kostenentwicklungen beim Rundfunk aufrecht erhalten bleiben – insbesondere im Internet-Zeitalter. Auch im deutschen Föderalismus muss sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk an den zeitgemäßen Möglichkeiten orientieren, um auf Dauer eine gesicherte Zukunft garantiert zu bekommen – auch im Hinblick auf die Akzeptanz der (zahlenden) Bevölkerung.

 

Überblick Regional-Sendungen

Magazine und Nachrichten Montag bis Freitag – öffentlich-rechtlicher Hörfunk:

Bundesländer Deutschland; Dänemark, Niederlande, Österreich, Deutsch-Schweiz, England, Frankreich, Polen, Tschechien, Italien (Südtirol) und Belgien (Deutschsprachige Gemeinschaft – DG)

Staat / Bundesland

Einwohner in Mio. (2018)

Fläche in km²

Programm und Anzahl Regional-Programme

Regionale Sendezeiten Magazine / Nachrichten

Einwoh. je Region in Mio.

Fläche je Region in km²

Deutschland

82,887

357.124

ARD/LRA – 21 bzw. 25

– Magazin-Sendungen –

Baden-Württemberg

11,051

35.752

SWR 4 – 8

12.30-13, 16-17; + stdl. Nachr. 6.30-17.30

1,381

4.469

Rheinland-Pfalz

4,078

19.853

SWR 4 – 5

12-13; + stdl. Nachr. 6.30-17.30

0,816

3.971

Brandenburg

2,507

29.479

RBB Antenne Bdbg. – 3

14-17; + stdl. Nachr. 5.30-18.30

0,836

9.826

Bayern

13,039

70.552

BR Bayern 1 – 5

12-13; + stdl. Nachr. 6.30-17.30

2,608

14.110

– Nachrichten & Kompakt-Formate –

Niedersachsen

7,979

47.624

NDR Niedersachsen – 5

Stdl. 6.30-9.30 + 13.30-15.30;

Kompakt 17.01-17.11

1,596

9.525

Mecklenburg-Vorp.

1,610

23.180

NDR Radio MV – 4

9.35, 12.40, stdl.16.30-18.30

0,403

5.795

Schleswig-Holstein

2,893

15.799

NDR Welle Nord – 5

10.30, 16.30

0,579

1.975

Sachsen

4,075

18.416

MDR S – 4

Stdl. 5.30-13.30, 15.30, 17.30, 18.30;

Regionalreport (4-5 Min.) 14.30, 16.30

1,019

4.604

Sachsen-Anhalt

2,214

20.477

MDR ST – 4

Stdl. 6.30-9.30, 12.30, 16.30, 17.30

0,554

5.119

Thüringen

2,146

16.172

MDR TH – 4

Stdl. 6.30-8.30, 11.30, std. 15.30-17.30

0,537

4.073

Hessen

6,251

21.115

HR 4 – 3

Hessenschau reg.(5 Min.) 12.30, 14.30, 16.30

2,084

7.038

Nordrhein-Westfal.

17,914

34.085

WDR 2 – 8

Stdl. 6.31-17.31

2,239

4.261

Klein-Region / Stadtstaaten

Saarland

0,992

2.569

SR 3 – Saarlandwelle

6-9, 12-13, 16-17; Rundschau v. 10 Min.: 8, 13, 18

0,992

2.569

Berlin

3,625

892

RBB – 88.8

5-7, 7-10, 17-19; Bln-Journ.stdl.u.halb

3,625

892

Hamburg

1,834

755

NDR HH – 90,3

5-10, 15-19

1,834

755

Bremen

0,681

404

Radio B. – Bremen Eins

5-9; Rundschau (8-12 Min.) 7, 8, 12, 16, 17

0,681

404

Europä. Ausland

Einwoh.(2017)

Dänemark

5,733

43.098

DR P4 – 10

6-10, 15-18 (Region Apenrade)

0,573

4.310

Niederlande

17,036

41.526

Reg. Rdf. Organ. – 13

6-10, 16-19 (Provinz Groningen)

1,310

3.194

Österreich

8,823

83.879

ORF Ö Land … – 9

5-9, 12.30-13, 15-18 (Bundesland Tirol)

0,980

9.320

Deutsch-Schweiz

5,472

26.445

SRF 1 – 6 (7 um 17.30)

5 Min. Nachr. 6.32, 7.32, 8.32; 12.03-12.10; Magazin 17.30-18

0,782

3.778

England (nicht GB)

55,619

130.395

BBC Local – 40

5-9, 15-18 (Kent)

1,391

3.260

Frankreich

64,980

543.965

Radio France Bleu – 44

6-9, 12-13, 16-19 (Elsass/Straßburg)

1,477

12.363

Polen

38,171

312.685

Polskie Radio – 17

6-9, 12-14, 16-18 (Oppeln)

2,245

18.393

Tschechien

10,618

78.866

CRo – 11

5-9, 19-19.10 (Liberec/Reichenberg)

0,965

7.170

Italien (Südtirol)

0,528

7.170

Rai Südtirol —

6-9, 12.30-12.45, 13-13.20, 14-17, (*)

0,528

7.170

Belgien (DG)

0,076

854

BRF —

6-10, 18-19, 21-21.35, (mit Welt-Infor.*)

0,076

854

Anmerkungen: Berechnungen von deutschen Regionalgebieten werden in folgenden Schritten vollzogen

I. Modell Deutschland – Annahme: Region mit je 1,5 Mio. Einwohnern auf einer Fläche von je 5.000 km²

Einwohner Deutschland 82,887 Mio. : 1,5 Mio. = 55,26 rd. 55

              Fläche Deu. 357.124 km² : 5.000 km² = 71,43 rd. 71

                                                                                           126 : 2 = 63 Regionalgebiete (Mittelwert aus Einwoh.-Zahl u. Größe Landfläche) 

II. Modell Dänemark – Region mit durchschnittllich je 0,573 Mio. Einwoh. auf einer Fläche von 4.310 km²

Einwoh. Deu. 82,887 Mio. : 0,573 Mio. = 144,65 rd. 145

      Fläche Deu. 357.124 km² : 4.310 km² = 82,86 rd.83

                                                                                  228 : 2 = 114 Regionalgebiete (Mittelwert aus Einwoh.-Zahl u. Größe Landfläche)

Berechnungsbasis kann jedes Bundesland und jeder Staat sein

Hinweise betr. Ergänzungen, Aktualisierungen ect. bitte an „Neue ARD-Forum.de“: berlinhaus1@web.de

Stand 8.7.2019

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