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Demokratie

Demokratie bedeutet Herrschaft des Volkes

Parteien in Deutschland

Das deutsche Parteiengesetz definiert Parteien wie folgt:

Parteien sind Vereinigungen von Bürgern, die dauernd oder für längere Zeit für den Bereich des Bundes oder eines Landes auf die politische Willensbildung Einfluss nehmen und an der Vertretung des Volkes im Deutschen Bundestag oder einem Landtag mitwirken wollen, wenn sie nach dem Gesamtbild der tatsächlichen Verhältnisse, insbesondere nach Umfang und Festigkeit ihrer Organisation, nach der Zahl ihrer Mitglieder und nach ihrem Hervortreten in der Öffentlichkeit eine ausreichende Gewähr für die Ernsthaftigkeit dieser Zielsetzung bieten. Mitglieder einer Partei können nur natürliche Personen sein.“

Die Entwicklung des Parteiensystems seit 1945

7.10.2017 Oskar Niedermayer

Von den zwölf Parteien, die in der Anfangszeit der Bundesrepublik eine mehr oder weniger wichtige Rolle gespielt haben, existieren heute nur noch sechs, wobei zwei (BP und Zentrum) schon lange nicht mehr relevant sind. Dafür sind einige relevante Parteien neu hinzugekommen.

Die Entwicklung des Parteiensystems seit 1945. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die Grafik dient dazu, sich einen schnellen Überblick zur Entwicklung des deutschen Parteiensystems seit 1945 zu verschaffen. Sie gibt das (Wieder-) Gründungsjahr der einzelnen Parteien und gegebenenfalls das Auflösungsjahr wieder. Zudem werden Umbenennungen, Abspaltungen und Zusammenschlüsse verdeutlicht. In die Grafik wurden alle Parteien aufgenommen, die bei einer Bundestagswahl mindestens ein Prozent der abgegebenen Stimmen erhielten (Ausnahmen zur Verdeutlichung der Parteiensystementwicklung: Bündnis 90 und WASG). Es werden die selbstgewählten Kurzbezeichnungen der Parteien bzw. die vom Bundeswahlleiter verwendeten Abkürzungen verwendet. Erläuterungen zu den Kurzbezeichnungen finden Sie in einer Tabelle weiter unten.
Von den hier aufgeführten Parteien gilt in der Regel die öffentliche Aufmerksamkeit nur wenigen, als relevant angesehenen Parteien. An den Bundestagswahlen nehmen jedoch sehr viel mehr Parteien teil. Ihre Anzahl variiert von Wahl zu Wahl beträchtlich: Waren es 1972 nur acht, so nahmen an der Bundestagswahl 1998 33 und bei der Bundestagswahl 2013 30 Parteien teil. Insgesamt ist die Zahl seit der Wiedervereinigung immer deutlich höher als in der alten Bundesrepublik.
Im Bundestag sind immer wesentlich weniger Parteien vertreten als an der Wahl teilnehmen, da das Wahlsystem – insbesondere die Fünfprozenthürde – dafür sorgt, dass nur eine begrenzte Anzahl Parteien parlamentarisch repräsentiert ist. Dies ist politisch gewollt, um eine zu große Zersplitterung des Parlaments und damit eine schwierige Regierungsbildung zu vermeiden.
Bei der ersten Bundestagswahl 1949 wurde die Fünfprozenthürde nicht bundesweit angewandt: Eine Partei konnte in den Bundestag einziehen, wenn sie die Hürde in nur einem Bundesland übersprang. Daher waren damals 10 Parteien (sowie drei parteiunabhängige Abgeordnete) vertreten. Die Einführung der bundesweiten Fünfprozenthürde ab 1953 und der Konzentrationsprozess im Parteiensystem führten jedoch schnell zu dem Dreiparteiensystem der 1960er- und 1970er-Jahre aus CDU/CSU (in einer Fraktionsgemeinschaft), SPD und FDP.
Mit der Bundestagswahl 1983 traten die Grünen hinzu, und ab 1990 gab es im Bundestag ein Fünfparteiensystem: Bei der ersten Bundestagswahl nach der Wiedervereinigung 1990 scheiterten zwar die westdeutschen Grünen an der für Ost und West getrennt geltenden Fünfprozenthürde, dafür waren jedoch die ostdeutsche Listenvereinigung Bündnis 90 / Grüne-BürgerInnenbewegung und die damalige PDS parlamentarisch vertreten.
Die Grünen und das zur Partei umgewandelte Bündnis 90 vereinigten sich 1993 und zogen ein Jahr später als Bündnis 90 / Die Grünen in den Bundestag ein. Die PDS scheiterte 1994 zwar an der Fünfprozenthürde, erreichte jedoch vier Direkt-mandate und konnte so von der Grundmandatsklausel profitieren, die ihren Wiedereinzug in Fraktionsstärke sicherte; 2002 bis 2005 war sie allerdings nur mit ihren beiden Direktmandaten im Bundestag vertreten. Bei der Bundestagswahl 2013 scheiterte die FDP mit 4,8 Prozent an der Fünfprozenthürde und war daher nicht mehr im Bundestag vertreten, 2017 konnte sie jedoch wieder einziehen. Zudem gelang es der AfD, als drittstärkste Kraft in den Bundestag einzuziehen. Damit sind zum ersten Mal seit 1953 wieder sechs Fraktionen im Parlament vertreten.

Erläuterungen zu den dargestellten Parteien

Kurzbezeichnung

Erläuterung

AfD

Alternative für Deutschland (gegr. 6.2.2013, Bundestagswahl 2013: 4,7 Prozent).

B90/Gr

Listenvereinigung Bündnis 90/Grüne-BürgerInnenbewegungen, bestehend aus Demokratie Jetzt, der Grünen Partei (im November 1989 in der DDR gegr.), der Initiative Frieden und Menschenrechte, dem Neuen Forum und dem Unabhängigen Frauenverband; Bundestagswahlteilnahme 1990 im Wahlgebiet Ost (6,2 Prozent) und Berlin (West); mit 8 Abgeordneten im Bundestag.

B90

Bündnis 90 (gegr. Ende 1991 durch Konstituierung der Listenvereinigung B90/Gr als Partei, allerdings ohne die Grüne Partei und einen Teil des Neuen Forums).1993 Vereinigung mit der Partei DIE GRÜNEN zur Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

BP

Bayernpartei (bayerische Regionalpartei, 17,9 Prozent bei der Landtagswahl 1950, seit 1966 nicht mehr im Landtag; Bundestagswahl 1949: 4,2 Prozent, seit 1957 marginal, Bundestagswahl 2013: 0,1 Prozent).

BHE

Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (1952 in GB/BHE umbenannt).

CDU

Christlich Demokratische Union Deutschlands (angegeben ist, wie bei den anderen Parteien, das Jahr der ersten regionalen Parteigründungen in den Besatzungszonen. Die formelle Konstituierung als Bundespartei erfolgte erst 1950).

CSU

Christlich-Soziale Union in Bayern e.V (gegr. 13.10.1945).

DFU

Deutsch Friedens-Union (Bundestagswahl 1961: 1,9 Prozent, seit Ende der 1960er-Jahre marginal, gab 1984 den Status einer Partei auf).

Die Linke.

Die Linkspartei.PDS (2005 erfolgte Umbenennung der PDS, um die Zusammenarbeit mit der WASG bei der Bundestagswahl 2005 zu sichern).

DIE LINKE

DIE LINKE (gegr. 2007 durch Zusammenschluss der Linkspartei.PDS mit der WASG).

DP

Deutsche Partei (geht auf die Deutsch-Hannoverische Partei zurück, die sich nach Kriegsende als Niedersächsische Landespartei neu konstituierte und 1947 in DP umbenannte. Bundestagswahl 1949: 4,0 Prozent, fusionierte 1961 mit dem GB/BHE).

DKP-DRP

Deutsche Konservative Partei-Deutsche Rechtspartei (Bundestagswahlteilnahme 1949 in 4 Bundesländern unter unterschiedlichen Namen (DKP, DRP, DKP-DRP) mit 1,9 Prozent).

DRP

Deutsche Reichs-Partei (Nachfolgeorganisation der DKP/DRP, Bundestagswahlteilnahmen 1953-1961 mit 0,8 bis 1,1 Prozent).

DVU

DEUTSCHE VOLKSUNION (1971 zunächst als Verein gegr., 1987 als Partei konstituiert, Bundestagswahl 1998: 1,2 Prozent, durch Parteitagsbeschluss vom 12.12.2010 Zusammenschluss ab 1.1.2011 mit der NPD, zunächst gestoppt aufgrund einer Klage von vier DVU-Landesverbänden, die ihren Widerstand im Mai 2012 jedoch aufgaben).

FDP

Freie Demokratische Partei (bei der Bundestagswahl 2013 mit 4,8 Prozent an der Fünfprozenthürde gescheitert und daher nicht mehr im Bundestag vertreten) und gegr. 12.12.1948.

FREIE WÄHLER

Bundesvereinigung FREIE WÄHLER (wurde am 24.1.2009 zunächst als Bundeswählergruppe „FW FREIE WÄHLER e.V.“ zur Teilnahme an der Europawahl 2009 gegründet und am 20.2.2010 in eine Partei umgewandelt; Bundestagswahl 2013: 1,0 Prozent).

GB/BHE

Gesamtdeutscher Block/BHE (in den 1950er Jahren Bundestagswahlergebnisse von 5,9 bzw. 4,6 Prozent).

GDP

Gesamtdeutsche Partei (1961 aus dem Zusammenschluss des GB/BHE mit der DP entstanden, seit Anfang 1962 faktisch nur noch der GB/BHE unter neuem Namen, ab Mitte der 1960er-Jahre marginal, umbenannt in Gesamtdeutsche Partei Deutsch-lands, GPD; Auflösung wahrscheinlich 1981).

GRÜNE

Kurzbezeichnung für die Partei DIE GRÜNEN (1980 – 1993) bzw. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (seit 1993). DIE GRÜNEN schlossen sich am Tag nach der Bundestagswahl 1990 mit der Grünen Partei der ehemaligen DDR zusammen und vereinigten sich 1993 mit dem B90 zur Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN).

GVP

Gesamtdeutsche Volkspartei (Bundestagswahlteilnahme nur 1953 mit 1,2 Prozent).

KPD

Kommunistische Partei Deutschlands (Bundestagswahl 1949: 5,7 Prozent; 1956 verboten).

NPD

Nationaldemokratische Partei Deutschlands (hervorgegangen aus der DRP; bestes Bundestagswahler-gebnis 1969 mit 4,3 Prozent; zum 1.1.2011 Vereinigung mit der DVU, der eigentlich für den Zusammen-schluss vereinbarte Name NPD – Die Volksunion wird nicht verwendet; Bundestagswahl 2013: 1,3 %

PDS

Partei des Demokratischen Sozialismus (gegr. 16.12.1989; a. d. SED der ehem. DDR hervorgegangen, 2005 in Die Linkspartei.PDS umbenannt, 2007 Zusammenschluss mit der WASG zur Partei DIE LINKE).

PIRATEN

Piratenpartei Deutschland (gegr. 10.9.2006; Bundestagswahl 2013: 2,2 Prozent).

REP

DIE REPUBLIKANER (gegr. 26.11.1983; bestes Bundestagswahlergebnis 1990 mit 2,1 Prozent, seit 2002 unter 1 Prozent, Bundestagswahl 2013: 0,2 Prozent).

SPD

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (gegr. 23.5.1863).

WASG

Wahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit (2004 zunächst als Verein gegr. und 2005 als Partei konstituiert; Bundestagswahlteilnahme 2005 durch Platzierung von WASG-Mitgliedern auf Landeslisten der Linkspartei.PDS, 2007 Zusammenschluss zur Partei DIE LINKE).

WAV

Wirtschaftliche Aufbauvereinigung (Bundestagswahl 1949: 2,9 Prozent, nur in Bayern angetreten, dort 14,4 Prozent).

Zentrum

Deutsche Zentrumspartei (Bundestagswahl 1949 noch 3,1 Prozent, danach marginal).

Datenquellen
Grafik und Text wurden zum einen aus den Angaben des Bundeswahlleiters zu den Bundestagswahlen und zum anderen aus den Informationen der folgenden Handbücher zu den deutschen Parteien zusammengestellt: Decker, Frank/Neu, Viola (Hrsg.), 2018 (in Vorbereitung): Handbuch der deutschen Parteien, 3. Aufl., Wiesbaden. Niedermayer, Oskar (Hrsg.), 2013: Handbuch Parteienforschung, Wiesbaden. Stöss, Richard (Hrsg.), 1983: Parteien-Handbuch, 2 Bände, Opladen.

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Es sind alle Parteien aufgeführt, die – einem in der international vergleichenden Wahlforschung oft verwendeten numerischen Abgrenzungskriterium folgend – bei Bundestagswahlen mindestens einmal mindestens 1 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen erreicht haben (Ausnahmen zur Verdeutlichung der Parteiensystementwicklung: B90 und WASG).
An der Wahl teilnehmende Parteien sind Parteien, die an der jeweiligen Wahl mit mindestens einer Landesliste teilgenommen, d.h. sich um die Zweitstimme beworben haben, auch wenn sie keine einzige Stimme bekommen haben sollten. Zusätzlich treten immer noch weitere Parteien nur mit Wahlkreiskandidatinnen und -kandidaten an (2017: acht weitere Parteien). Als im Bundestag eigenständig vertreten werden alle Parteien angesehen, die im Bundestag mit einer Fraktion, Fraktionsgemeinschaft, Gruppe oder mit eindeutig als Parteivertreter gewählten Abgeordneten vertreten sind. Dies bedeutet: Da CDU und CSU immer eine feste Fraktionsgemeinschaft gebildet haben, werden sie als Einheit gezählt, und die PDS wird in der Legislaturperiode 2002-2005 als im Bundestag vertreten gezählt, da – trotzt des Scheiterns an der Fünfprozenthürde und der Grundmandatsklausel – zwei direkt gewählte Parteivertreterinnen im Bundestag saßen.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildungsarbeit

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