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ARD verschwendet Rundfunkbeiträge am Vormittag

Foto WDR.de

Boulevard-Sendung „Live nach Neun“ gescheitert – Zuschauerzahlen halbiert

Seit dem 14. Mai 2018 kopiert die ARD am Vormittag die ZDF-Sendung „Volle Kanne“. Tagelang wurde das Fernsehpublikum mit bunten Bildern und flotten Sprüchen auf die „WDR-Innovation“ aufmerksam gemacht. Eine kleine Show für das zweite Frühstück – so jedenfalls die Idee einer neuen Redaktion. Und die Eigenwerbung versprach, dass die Sendung raus ins Leben geht, „in allen Regionen Deutschlands, in denen die ARD verwurzelt ist: Mit Live-Schalten zu den Menschen auf dem Land und in den Städten – immer auf der Suche nach Alltagshelden und Anpackern, Menschen, die unser Land am Laufen halten, auf Baustellen und Bahnhöfen, in Fitnessstudios und Frisiersalons“.

Am Mittwoch, dem 23. Mai 2018, gab so interessante Beiträge wie die „Hobel-Helden“ bei der Arbeit, das etwa andere Auto „Ellenator“, sichere Passwörter bei Mails, Besuch in einem „Cornflake-Cafe“ und drollige Hunde, die in die „Tasten hauen“. Ja, so eine Sendung haben Millionen von Zuschauern sehnsüchtig erwartet. ARD und ZDF bieten ja nur wenige „Boulevard-Sendungen“ an, wie „Volle Kanne“ (ZDF 9.05 Uhr), „drehscheibe“ (ZDF 12.10 Uhr), „ARD-Buffet“ (12.15 Uhr), „hallo deutschland“ (ZDF 17.10 Uhr), „Brisant“ (ARD 17.15 Uhr), „Leute heute“ (ZDF 17.45 Uhr) und das „Frühstücksfernsehen“ von 5.30 bis 9 Uhr. Hinzu kommen noch mindestens neun Boulevard-Sendungen in den dritten Programmen. Und das alles gehört zur „Grundversorgung“ von ARD und ZDF?

Das die ARD-Direktoren mit „Live nach Neun“ (werktäglich 9.05 – 9.50 Uhr) eine grandiose Fehlentscheidung getroffen haben, liegt auf der Hand. Beim Start am Montag (14. Mai 2018) sahen 0,29 Mio. Zuschauer die Sendung, am Dienstag waren es noch 0,21 Mio. und am Donnerstag nur noch 0,17 Mio. Am Mittwoch (16. Mai) hatte zur gleichen Zeit die Übertragung aus dem Bundestag (Haushaltsdebatte) immerhin 0,30 Mio. Zuschauer. Am Dienstag, dem 22. Mai, waren es auch nur 0,23 Mio. Zuschauer. Die „Volle Kanne“ erreicht drei bis vier Mal so viele Zuschauer für das ZDF. Wozu Konkurrenz-Sendungen auf Kosten der Bürger?

Vor diesem Hintergrund bekommt die Klage vor dem Bundesverfassungsgericht eine neue Bedeutung und stellt die Finanzierungsform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, mittels „Beiträge“ bzw. „Zwangsgebühren“, erst recht auf den Prüfstand. Die ARD mit ihrer Entscheidung, für eine überflüssige Sendung in Konkurrenz zum ZDF, zeigt das ganze Dilemma von ARD und ZDF. Insgesamt werden 19 Fernsehprogramme mit Kosten von rund 5,5 Milliarden Euro pro Jahr ausgestrahlt und dann werden die gleichen Angebote einfach nur kopiert. Wo bleiben die klugen Ideen für sinnvolle und nützliche Alltags-Sendungen für ein anspruchsvolles Publikum – auch am Vormittag. Und im Übrigen, ARD und Deutschlandradio strahlen insgesamt 76 Radio-Programme aus. Wenn ARD und ZDF eine sichere Zukunft haben wollen, müssen sie sich neu erfinden oder Millionen von Bürgern werden einfach umschalten.

Nachtrag: Zuschauer am Mittwoch (23. Mai) 0,19 Mio. (Marktanteil 4,1%), am Donnerstag (24. Mai) 0,18 Mio. (Marktanteil 3,7%), am Freitag (25. Mai) 0,17 Mio. (Marktanteil 3,6%). Die „Volle Kanne“ vom ZDF erreichte 0,53 Mio. bzw. 0,60 Mio. bzw. 0,56 Mio. Zuschauer mit einem Marktanteil von 12,1% bzw. 11,8% (2x).

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